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Rosa Beilage 3/2011

Online-Diskurs zu Intersexualität

26. August 2011

Deutscher Ethikrat startet bislang einmaliges Projekt

 

(ab). Dürfen zwischengeschlechtlich geborene Kinder durch medizinische Eingriffe dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugewiesen werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit der Deutsche Ethikrat. Betroffene fordern ein Ende der „Zwangsoperationen“ und ein Recht auf ein Leben jenseits von Mann und Frau. Denn unter den psychischen und physischen Folgen der operativen Zuweisung zu einem der beiden Geschlechter leiden sie ein Leben lang.

Vor rund 20 Jahren formierte sich die „Zwitterbewegung“ und versucht, ihre Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen. Große Hoffnungen wurden in den Deutschen Ethikrat gesetzt, der jetzt reagiert und sich des Themas Intersexualität angenommen hat. Im vergangenen Jahr wurde bereits ein Diskussionsforum veranstaltet, bei dem sich WissenschaftlerInnen verschiedener Disziplinen und Betroffenen-Verbände austauschten. Anfang Juni 2011 kam es zu einer Anhörung in Berlin, und kurz darauf wurde eine Online-Plattform eingerichtet, auf der sich jede/r in die Diskussion einschalten kann.

Dieses Diskursprojekt ist bislang einmalig, teilt der Deutsche Ethikrat mit. Man möchte damit auf zeitgemäße Weise eine Debatte auf breiter gesellschaftlicher Ebene ermöglichen und sich einen umfassenden Einblick in die Thematik verschaffen. Es gehöre zu den Aufgaben des Ethikrates, aktuelle gesellschaftliche Themen aufzugreifen und notwendige gesellschaftliche Diskurse anzuregen. Im Auftrag der Bundesregierung bereitet das Gremium bis Ende 2011 eine Stellungnahme zum Thema Intersexualität vor.

Mit Intersexualität bezeichnet man unterschiedliche Formen der Uneindeutigkeit der Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen. Sie beruht auf der fehlenden Übereinstimmung zwischen den äußeren und inneren körperlichen Geschlechtsmerkmalen und den genetischen Merkmalen eines Menschen. Die Medizin betrachtet Intersexualität als Störung der Geschlechtsentwicklung, die operativ behoben werden muss. Die Betroffenen selbst fordern die gesellschaftliche Akzeptanz von mehr als zwei Geschlechtern und ein Verbot von nicht lebens- oder gesundheitsnotwendigen Eingriffen. Intersexuelle Menschen würden durch die Eingriffe irreversibel psychisch und physisch geschädigt. Daher verlangen die Verbände Entschädigung sowie eine bessere psychosoziale Betreuung.

Weitere Informationen: www.diskurs.ethikrat.org
Betroffene und ihre Eltern sowie Ärzte, Therapeuten, Sozialwissenschaftler und Juristen, aber auch die interessierte Öffentlichkeit können sind an diesem Diskurs beteiligen.