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VPP 3/2016

Paritätischer Präventionskongress 2016 in Berlin - Das Präventionsgesetz – Wie geht es weiter?

25. Juli 2016
 

Ein erstes Resümee

„Politik ist ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“ (Max Weber, 1919)

Ein Jahr nach der Verabschiedung des Präventionsgesetzes hat der Paritätische Gesamtverband mit rund 100 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis eine erste Zwischenbilanz zur Umsetzung des im Sommer 2015 verabschiedeten Gesetzes gezogen.

Bei der zweitägigen Fachtagung im VKU-Forum in Berlin wurde über Chancen, Herausforderungen und Grenzen des Gesetzes diskutiert, gelungene Praxisbeispiele vorgestellt und über die weiteren Perspektiven und Handlungsnotwendigkeiten intensiv beraten.

Prominente Mitwirkende waren unter anderem Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Gernot Kiefer, Vorstand des GKV Spitzenverbandes Olaf Liebig, Referatsleiter im Bundesgesundheitsministerium sowie Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Gesundheitswissenschaftler und Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes.

„Das Präventionsgesetz markiert einen echten Meilenstein auf dem Weg in die richtige Richtung. Nach jahrzehntelangem Ringen und insgesamt drei gescheiterten Gesetzesanläufen ist es gelungen, moderne und wirksame Formen der Prävention als Regelfall ins Gesetz zu schreiben“, so Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes. Auf dieser Basis gelte es nun, mit vereinten gesellschaftlichen Kräften aufzubauen. Der Paritätische habe als Verband seine zivilgesellschaftliche Aufgabe zur Umsetzung des Präventionsgesetzes erkannt und nehme diese Herausforderung gerne an.

Im Mittelpunkt der Vorträge stand die Frage, wie es gelingen kann, die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheits- und Lebenschancen zu vermindern. Einig waren sich die Referierenden und Teilnehmer/innen der Veranstaltung darin, dass die besten Ergebnisse mit Interventionen erzielt werden können, an denen die Nutzerinnen und Nutzer teilhaben und ihre Lebenswelten selbst zum Gegenstand der Veränderungen machen. Erst dies führe tatsächlich zu einer Steigerung der Gesundheitsressourcen und einer Senkung der Gesundheitsbelastungen.

Zum Abschluss des ersten Veranstaltungstages fand eine kontroverse und spannende Podiumsdiskussion mit den Referentinnen und Referenten statt: Dr. Heidrun Thaiss (BZgA), Jens Kaffenberger (VdK Sozialverband, Sprecher Forum chronisch kranker und behinderter Menschen), Gernot Kiefer (GKV-Spitzenverband), Olaf Liebig (Bundesministerium für Gesundheit) und Prof. Rolf Rosenbrock diskutierten die Knackpunkte und Haken, die es für die Umsetzung des Gesetzes zukünftig noch zu lösen gilt. Aber: die anfänglichen, sprachlichen Hürden sind bereits genommen. Mit reger, engagierter und fachkundiger Publikumsbeteiligung wurden die Fragen der Chancen und Grenzen des Präventionsgesetzes, aber auch der anstehenden Aufgaben für eine erfolgreiche, flächendeckende Gesundheitsförderung erörtert.

Am zweiten Tag der Fachtagung stand die Landes- und kommunale Ebene im Fokus. Dabei wurde zunächst über regionale Vernetzung und Präventionsketten (Stefan Pospiech, Geschäftsführer Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V.) sowie über den Stand der Verhandlungen der Landesrahmenvereinbarungen am Beispiel Hamburg (Kathrin Herbst, Leiterin Verband der Ersatzkassen Hamburg) informiert.

Im zweiten Teil, wurden die Lebenswelten wie Kita, Schule, Pflegeeinrichtungen und Quartier – in denen der Paritätische Wohlfahrtsverband zu den zentralen Akteuren zählt - gemeinsam mit anderen Akteuren in vier verschiedenen Workshops Stand und Perspektiven der Umsetzung des Gesetzes auf kommunaler Ebene unter die Lupe genommen. Dabei wurde mehrfach deutlich, dass der Setting-Ansatz zwar mit dem Präventionsgesetz gestärkt worden ist, aber die Bundes- und Landespolitik damit noch nicht von ihren Verpflichtungen befreit ist. Gelungene, nachhaltige Gesundheitsförderung, die ankommt, bedarf auch zukünftig einer gesamtgesellschaftlichen Strategie unter Einbindung und Mitwirkung vieler weiterer zentraler Akteure aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Denn: „Es geht um nicht weniger als das möglichst gute, möglichst lange und gesunde Leben aller Menschen in unserer Gesellschaft – unabhängig von Herkunft und sozialem Status. Hier sind wir alle gefragt!", so der Vorsitzende des Paritätischen Gesamtverbandes, Prof. Rolf Rosenbrock.

Die Vorträge der Fachtagung sind über folgenden Link abrufbar: www.der-paritaetische.de/gtd/dokumentation-praeventionskongress-2016/