PatientInnen und ÄrztInnen demonstrierten in Berlin gemeinsam
MedizinerInnen wie PatientInnen wehren sich gegen die anhaltende und sich ausdehnende Rationierung im Gesundheitswesen. Gleichzeitig werden die Versicherten mit Zuzahlungen und höheren Versicherungskosten konfrontiert, erklärte der Präsident der DGVP, Wolfram-Arnim Candidus. Die wahren Gründe für das lange Warten auf Behandlungstermine liegen nicht an der Bevorzugung von PrivatpatientInnen, sondern an der totalen Unterfinanzierung durch Budgets, der Deckelung von Finanzmitteln für die ambulante und stationäre Versorgung und der ausufernden Bürokratie, die allen Berufsgruppen und Institutionen im Gesundheitswesen zugemutet werde, so der Patientenvertreter. Der FÄ- Präsident Martin Grauduszus beklagte, dass der Arzt vom Entscheider und Anwalt der PatientInnen zum Verwalter und stumpfsinnigen Ausführer bürokratischer Behandlungsdirektiven, quasi zum Handlanger, geworden sei. Eine besorgniserregende und menschenverachtende Entwicklung im Gesundheitswesen sei längst Realität. Medizinische Versorgungszentren seien zunehmend in der Hand von rein gewinnorientierten Finanzinvestoren; diese neue Form der industrialisierten Gesundheits-„Abfertigung“ lasse Millionen von alten und multimorbiden PatientInnen verantwortungslos unversorgt.
Nach Schätzungen der Veranstalter hatten sich rund 4 000 bis 5 000 ÄrztInnen und PatientInnen mit Transparenten am Vormittag des 19. September auf dem Platz vor dem Roten Rathaus versammelt. Die Protestkundgebung wurde von einem Wagen von der freien Ärzteschaft und der DGVP angeführt, der ein schwarzes fabrikähnliches Gebäude zeigte, in das auf einem Laufband Schaufensterpuppen unter Leichentüchern in einen Verbrennungsofen einzufahren schienen. Es sollte die Gefahr symbolisieren, dass profitorientierte MVZ und Konzerne die Gesundheitsversorgung übernehmen.
Waltraud Deubert