Poster
Die Poster sind während des gesamten Kongresses ausgehängt. Die jeweiligen ReferentInnen können allerdings nur am Sonntag, 02.03.2008 von 13:30 – 14:30 Uhr zu den Postern befragt werden.
Erika Blitz, Thomas Gödecke-Koch (Hannover)
Kontinuierliche gerontopsychiatrische Versorgung
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wird im Jahr 2050 die Hälfte der bundesdeutschen Bevölkerung älter als 48 Jahre und ein Drittel 60 Jahre und älter sein. Die Veränderung der Bevölkerungspyramide zum Bevölkerungspilz wird bereits heute für das Gesundheitswesen relevant. So erscheint auch die psychotherapeutische Behandlung von Menschen höheren Lebensalters zunehmend von Bedeutung. Es wird ein interdisziplinäres Konzept teilstationärer gerontopsychiatrischer Behandlung unter besonderer Berücksichtigung psychotherapeutischen Vorgehens vorgestellt, wie es im Zentrum für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie des Klinikums Wahrendorff etabliert wurde.
Jelena Blum, Jeannette Bischkopf, Anna Auckenthaler (Berlin)
Wie PsychotherapeutInnen Therapieabbrüche erleben. Eine explorative Studie
Untersuchungen zu Therapieabbrüchen beschäftigen sich vorwiegend mit der Seite der KlientInnen. Dem Erleben der PsychotherapeutInnen bei Therapieabbrüchen wurde dagegen bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Im Rahmen einer explorativen Untersuchung wurden daher acht PsychotherapeutInnen verschiedener therapeutischer Orientierungen retrospektiv zu ihrem Erleben von Therapieabbrüchen in der Einzeltherapie befragt. Alle TherapeutInnen arbeiteten in freier Praxis. Die Datenerhebung erfolgte anhand problemzentrierter Interviews (Witzel, 1986), die Datenauswertung orientierte sich an der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2000). Im Gegensatz zu den in anderen Untersuchungen festgestellten hohen Abbruchraten berichten die InterviewpartnerInnen über sehr wenige Therapieabbrüche. Sie verfügen offensichtlich über eine Reihe von Strategien, um Therapieabbrüchen vorzubeugen. Kommt es dennoch zu Therapieabbrüchen, werden diese vor allem als Möglichkeit zu lernen erlebt und im Rahmen von Intervision bzw. Supervision verarbeitet.
Beate Caspar (Weißenfels)
Ein multimodaler, verhaltenstherapeutischer Ansatz zur Behandlung des chronischen Rückenschmerzes
Bei der Definition der Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des chronischen Rückenschmerzes wird von einer multifaktoriellen Genese mit psychosomatischen Anteilen ausgegangen. Bei 80% der PatientInnen mit chronischen Rückenschmerzen liefern bildgebende diagnostische Verfahren keine hinreichenden organischen Substrate für die geklagten Beschwerden. Ausgehend von den neuropsychologischen Erkenntnissen zur Bildung des Schmerzgedächtnisses und den Befunden der Psychomotorikforschung wird ein multimodaler, kognitiv-verhaltenstherapeutischer Therapieansatz zur Behandlung von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen als Erfahrungsbericht aus der ambulanten psychotherapeutischen Praxis vorgestellt.
Annegret Conrad, Anna Auckenthaler (Berlin)
Psychotherapie im Kontext - extratherapeutische Einflüsse auf den Therapieprozess aus Klientensicht
Obwohl Schätzungen zufolge etwa 40% der Outcomevarianz von Psychotherapien auf extratherapeutische Faktoren zurückzuführen sind, wurde deren Einfluss auf den Therapieprozess vergleichsweise selten untersucht. Insbesondere ist weitgehend offengeblieben, welche äußeren Ereignisse und Bedingungen dabei aus KlientInnensicht eine Rolle spielen und wie diese im Einzelnen mit dem Therapiegeschehen interagieren. Zur Klärung dieser Fragen wurden 20 problemzentrierte Interviews mit KlientInnen ausgewertet, die ihre zurückliegende Psychotherapie als Misserfolg einschätzten. Die ForschungsteilnehmerInnen wurden im Interview u.a. darum gebeten darzustellen, wie und warum es aus ihrer Sicht zum Scheitern der Therapie gekommen war und mit welchen Erwartungen sie die Therapie ursprünglich begonnen hatten. Die Datenanalyse erfolgte in Anlehnung an die Grounded-Theory-Methodologie. Die Ergebnisse zeigen, dass extratherapeutische Faktoren aus der Sicht von KlientInnen auf vielfältige Art und Weise mit dem Therapieprozess verwoben sind und auch wesentlich zu einem Therapieabbruch beitragen können. Dabei lassen sich vier Hauptkategorien von äußeren Einflüssen unterscheiden: 1) Die allgemeine Lebenssituation der KlientIn, 2) einschneidende Ereignisse im Leben der KlientIn, 3) Kommentare aus dem sozialen Umfeld und 4) die Nutzung von Informationsressourcen. Die Kategorien werden anhand konkreter Textbeispiele veranschaulicht und im Hinblick auf Implikationen für Forschung und Praxis diskutiert.
Roberto D’Amelio (Homburg/Saar)
Effekte einer störungsspezifischen kognitiv-behavioralen Intervention auf die psychische Belastung von PatientInnen mit subakutem Tinnitus und psychischer Sekundärsymptomatik in der 1-Jahres-Katamnese
Die ambulante kognitiv-behaviorale Behandlung von PatientInnen mit chronischem Tinnitus und psychischer Sekundärsymptomatik ist etabliert. Entsprechende störungsspezifische Therapieprogramme wurden im deutschsprachigen Raum von Kröner-Herwig (1997) und D’Amelio (2002) publiziert, wobei sich bei PatientInnen mit „dekompensierten Tinnitus“ eine Therapiedauer von durchschnittlich 12 Sitzungen mit der Frequenz von 1x pro Woche als wirksam erwiesen hat. Wenig verbreitet sind bislang psychotherapeutische Interventionen bei PatientInnen mit akutem und subakutem Tinnitus, obwohl bereits zu diesem Zeitpunkt ein Teil der PatientInnen einen ausgeprägten psychischen Leidensdruck i. S. eines „dekompensierten Tinnitus“ aufweist (vgl. D’Amelio et al. 2004). Ungeklärt ist bislang ob diese PatientInnengruppe nicht auch von einer psychologischen Kurzintervention profitiert, was die Behandlung Zeit- und Kosten-ökonomischer gestalten würde. Um diese Fragen zu klären, wurde im Rahmen einer prospektiven Studie die Langzeit-Auswirkung (1 Jahres-Katamnese) einer störungsspezifischen kognitiv-behavioralen Intervention im Umfang von 4 Sitzungen im Einzelsetting (Tinnitusspezifische Kurzpsychotherapie, TKP, D’Amelio et al. 2006) auf die psychische Belastung von PatientInnen mit subakutem Tinnitus untersucht. Bei psychisch dekompensierten PatientInnen mit subakutem Tinnitus ergab sich nach Abschluss der TKP eine erhebliche und signifikante Reduktion der psychischen Belastung, die sich in der 1Jahres-Katamnese als stabil erwies. Zeitlich noch mehr komprimierte oder reduzierte Interventionen, in Form von einem einmaligen Beratungsgesprächs („Counseling“) bzw. eines 2 stündigem „Tinnitusseminars“, konnten dagegen keine signifikante Reduktion in der psychischen Belastung erzielen. Die Tinnitusspezifische Kurzpsychotherapie im Umfang von 4 Sitzungen stellt somit eine effektive und ökonomische Behandlungsoption für diese PatientInnengruppe im Stadium des subakuten Tinnitus dar.
Annkathrin Dehe, Olivier M. Elmer (Wiesloch)
Die Wirksamkeit der “Handlungsorientierten Psychoedukation” (HOPE) bei PatientInnen mit uni-und bipolarer affektiver Störung
Die vorliegende Untersuchung überprüft als Pilotstudie die Wirksamkeit des Gruppentherapiemanuals “HOPE – Handlungsorientiert Psychoedukation bei Bipolaren Störungen” (Jelley & Elmer, 2005). Die Untersuchung erfolgte als kontrollierte Fragebogenstudie im Prä-Post-Design und berücksichtigt sowohl PatientInnen mit bipolarer Störung als auch PatientInnen mit einer unipolar depressiven Erkrankung. An der Studie nahmen 34 Personen teil, die sich aufgrund einer affektiven Störung in mehrwöchiger stationärer Behandlung befanden. Die Experimentalgruppe bestand aus 26 Personen, 8 Personen bildeten die Kontrollgruppe. Die Therapie wurde durchgehend positiv bewertet und erweist sich insbesondere hinsichtlich der kognitiven Variablen des krankheitsbezogenen Wissens und der krankheitsbezogenen Einstellungen als wirksam.
Eveline Frischknecht (Bern)
„Wenn plötzlich alles anders ist...“ – Ein theoretisches Modell zu den Anforderungen an die Lebenspartner hirnverletzter Menschen.
Eine Hirnverletzung trifft aus heiterem Himmel. In der Schweiz erleiden jährlich ca. 12'000 bis 14'000 Menschen einen Schlaganfall, 3'000 bis 5'000 Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma. Ein halbes Jahr nach dem Hirnschlag leben 69% der Überlebenden wieder zu Hause, davon sind knapp 57% auf dauernde lebenspraktische Hilfe angewiesen (Mattle, Eicher Vella, Bassetti & Sandercock, 1999). Die Initial somatisch-neurologische Erkrankung und die damit einhergehenden Veränderungen und Folgen in verschiedenen Lebensbereichen betreffen nicht nur die PatientInnen selbst, sondern auch in starkem Ausmaß ihre LebenspartnerInnen. Für eine erfolgreiche Unterstützung und Prävention maladaptiver psychischer Entwicklungen ist die Vernetzung von Medizin, Neuropsychologie, klinischer Psychologie und Psychotherapie notwendig. Mit diesem Beitrag soll hauptsächlich die Rolle der klinischen Psychologie und Psychotherapie beleuchtet werden. Mit Hilfe eines theoretischen Modells sollen die spezifischen Belastungen und Anforderungen sowie die Konsequenzen, mit denen die LebenspartnerInnen hirnverletzter Menschen konfrontiert sind, dargestellt werden. Dieses Modell soll als Basis für eine Bedarfsanalyse der Lebenspartner dienen, aufgrund derer mögliche therapeutische Maßnahmen abgeleitet werden können.
Wolfgang Gaiser (München)
Vernetzung als chancengleiche Optionserweiterung im Jugendalter?
Eröffnen selbst gestaltete Netzwerke Jugendlicher egalitäre Chancen oder verstärken und reproduzieren sie die soziale Differenzierung?
Ausgangspunkt:
In der Jugendphase gilt das Feld der Gleichaltrigenbeziehungen als zentrale Gelegenheitsstruktur, autonom von Familie und Bildungssystem eigene Lebensentwürfe zu realisieren. Fragestellungen:
- Eröffnet sich in der Jugendphase durch die eigenständige Gestaltung sozialer Netze die Chance, die Reproduktion sozialer Ungleichheit zu überwinden? - Welche Bedeutung haben Einbindungen in Vereine, Verbände oder alternative Gruppierungen? - Inwiefern spielen geschlechtsspezifische Unterschiede eine Rolle - Welche Mechanismen wirken hinter dem Rücken der Subjekte?
Datengrundlage: DJI- Jugendsurvey. Der Jugendsurvey des Deutschen Jugendinstituts (DJI) ist eines der großen replikativen Forschungsprojekte, das im Rahmen der Sozialberichterstattung des DJI durchgeführt wird (Projekthomepage: www.dji.de/jugendsurvey). In den ersten beiden Wellen, die 1992 und 1997 im Feld waren, wurden jeweils ca. 7.000 16- bis 29-Jährige deutsche Personen befragt (West: ca. 4.500, Ost: ca. 2.500), in der dritten Welle 2003 ca. 9.100 12- bis 29-Jährige mit deutscher und nicht-deutscher Staatsangehörigkeit (West: ca. 6.300, Ost: ca. 2.800).
Johanna Geiger, Jeannette Bischkopf (Berlin)
Die Bedeutung von Ärger in der Depressionsbehandlung
Ziel: Empirische Studien ebenso wie klinische Beschreibungen haben einen Zusammenhang zwischen Depression und Ärgererleben und –regulation gezeigt. In der vorliegenden Arbeit wurde der Frage nachgegangen, welche Bedeutung Ärger in der Therapie der Depression aus der Sicht von PraktikerInnen zukommt. Methode: Es wurden problemzentrierte Interviews mit 8 PsychotherapeutInnen durchgeführt, deren Berufserfahrung zwischen 11 und 38 Jahren betrug und die in verschiedenen Verfahren ausgebildet waren, u. a. in Kognitiver Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, Gesprächspsychotherapie, Gestalttherapie und Systemischer Therapie. Die Auswertung der Interviews orientierte sich an der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2000). Ergebnis: Typischer depressiver Ärger wurde von den Befragten als nicht nach außen gehend, als gehemmt und als indirekt bezeichnet. Ziele bezüglich der therapeutischen Arbeit mit Ärger wurden im Ermöglichen korrektiver Beziehungserfahrungen gesehen sowie letztendlich darin, ein besseres Gespür für den eigenen Ärger zu bekommen, ihn als Teil von sich zu akzeptieren und zu lernen, ihn in sozial akzeptierter, assertiver Art und Weise auszudrücken. Schlussfolgerung: Ähnlich wie die Literatur deuten auch die Aussagen der befragten TherapeutInnen darauf hin, dass Ärger in der Therapie depressiver PatientInnen ein wichtiges Thema sein kann. Als interessant und relevant könnte sich insbesondere die Erforschung des postulierten Zusammenhangs zwischen Ärger und Depression, die Analyse von Einzelfällen im therapeutischen Prozess als auch die Unterteilung und Beschreibung verschiedener Ärgerqualitäten in der Therapie erweisen.
Heiko Herbert Hölzel (Wittlich)
(Un)Zufrieden mit der Psychotherapieausbildung? – Ergebnisse einer Absolventenbefragung
Obwohl das Psychotherapeutengesetz und die aktuellem Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen der Ausbildung zum Psychologischen PsychotherapeutInnen sowie Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen einen wichtigen Schritt in Richtung der Etablierung des nichtärztlichen PsychotherapeutInnen als selbstständiger HeilbehandlerInnen im deutschen Versorgungssystem darstellt, werden gerade die Ausbildungsbedingungen häufig kritisiert. Zu hohe Ausbildungskosten, die der Auszubildende selbst tragen muss, fehlende Entlohnung während der praktische Tätigkeit und der umfangreiche Gegenstandskatalog zur Prüfung, dessen Inhalt mehr Stoff enthält, als in den 600 Stunden theoretische Ausbildung realistischerweise zu vermitteln ist, sind nur einige der häufig genannten Kritikpunkt. In einer online durchgeführten Befragung von AbsolventInnen zu ihren Ausbildungsbedingungen sollten zum einen die finanziellen Belastungen der AusbildungsteilnehmerInnen und zum anderen auch die Zufriedenheit der AbsolventInnen mit der beendeten Ausbildung erfasst werden. Die Präsentation soll einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse der Studie geben.
Johanna Huppmann (Berlin)
Das Traumanetz Sachsen
Menschen finden mit Traumafolgestörungen in weiten Teilen Deutschlands nach wie vor oftmals keine angemessene Versorgung. Ausnahmen bilden einige wenige länder-, klientel- oder interventionsbezogene Projekte, welche zunehmend Popularität erlangen und sowohl der Informationsvermittlung als auch der Enttabuisierung der mit Traumata verbundenen, in vielen Fällen heiklen Themen, dienen. Die Ursachen der defizitären Strukturen in der Behandlung von Traumafolgestörungen werden durch vielfältige Faktoren beeinflusst, die durch die Komplexität des Störungsbildes und deren Behandlungsspezifika begründet sind. Um auf die störungsspezifischen Bedürfnisse von TraumapatientInnen angemessen reagieren und derzeitig bestehende therapeutische Defizite beschreiben zu können, entsteht das Traumanetz-Sachsen. Dieses Netz soll zunächst primär in Form einer Internetpräsenz als Grundlage sowohl horizontaler als auch vertikaler Vernetzungsvorhaben im Land Sachsen dienen und Kooperation sowie Koordination zwischen TherapeutInnen und Einrichtungen erleichtern. Zudem kann durch vernetzte Strukturen die Zugänglichkeit traumaspezifischer Therapieoptionen und Hilfestellungen für Betroffene niedrigschwelliger gestaltet werden. Eine weitere Funktion dieses Traumanetzes stellt die Evaluierung derzeitiger Versorgungsstrukturen in Sachsen dar, welche Interpretationsspielräume im Rahmen der Versorgungsforschung erweitern und mit deren Hilfe sich Tendenzen der Fehl-, Unter- oder Überversorgung im Bereich der Traumatherapie aufdecken lassen.
Schlüsselwörter: Traumafolgestörungen – Traumatherapie – Vernetzung – Kooperation –
Versorgungsforschung – Sachsen – Traumanetz Sachsen
Franziska Knappke (Hamburg), Pamela Reich (Münster), Bernd Röhrle (Marburg)
Interpersonelles Präventionsprogramm gegen Depressionen im Jugendalter: IPPDJ
Das Interpersonelle Präventionsprogramm gegen Depression im Jugendalter (IPPDJ) stellt eine adaptierte Form des australischen Präventionsprogramms Resourceful-Adolescent-Programm (RAP-A) von Shochet, Holland und Whitefield (1997) dar. Die Besonderheiten der beiden Programme liegen im nahen Bezug zu entwicklungspsychopathologischen Aspekten und Themen der interpersonellen Psychotherapie. Mit verschiedenen Aktivitäten, die thematisch eng an Problemen von Jugendlichen angelehnt sind, werden im IPPDJ die Schutzfaktoren positives Selbstwertgefühl, positives Denken, Fähigkeit zum Problemlösen und soziale Unterstützung gefördert. Eine empirische Überprüfung der Wirksamkeit der IPPDJ fand in vier 8. Schulklassen statt. Die Ergebnisse ermutigen zur Weiterentwicklung interpersonell fundierter Präventionsprogramme.
Beatrix Lehnhoff, Gabriele Elke, Frauke Schäfer (Bochum)
„Rückhalt für den Alltag – in 7 Schritten“ – Ein Verhaltensprogramm zur Prävention von Chronischen Rückenschmerzen
Bei dem Verhaltensprogramm „Rückhalt für den Alltag – in 7 Schritten“ handelt es sich um ein Training zur Prävention von Chronischen Rückenschmerzen. Ausgehend davon, dass sich verschiedene Risikofaktoren sowohl auf biologischer und sozialer, vor allem aber auf der psychologischen Ebene ausfindig machen lassen, deren Vorhandensein die Entstehung von Rückenschmerzen begünstigt, sollen durch die Durchführung des Trainings gezielt v. a. psychosoziale und intrapsychische Risikofaktoren minimiert, reduziert und bestenfalls vollständig eliminiert werden. Das Training umfasst 7 Sitzungen á 90 Minuten, in denen psychoedukative Informationen zum Bewegungsapparat und der Wirbelsäule vermittelt, regelmäßige Bewegungs- und Entspannungselemente, sowie Bewältigungsstrategien für einen angemessenen Umgang mit Schmerzen bzw. Schmerz begünstigenden Faktoren eingeübt und das Selbstmanagement gefördert werden. Das Training beruht auf verhaltenstherapeutischen Grundlagen (biopsychosoziales Modell des Schmerzes, Verhaltensanalyse, etc.) und bedient sich verhaltenstherapeutischer Methodik (Aufklärung, Aktivierung, Konfrontation, positive Verstärkung, Belohnung, etc.). Es ist sprachlich und methodisch auf den Verwaltungskontext angepasst und umfasst v. a. Übungen, die im Arbeitskontext einsetzbar sind, so dass es sich eher um ein präventiv ausgerichtetes Trainingsprogramm als um ein therapeutisches Angebot handelt. Die Wirksamkeit des Trainingsprogramms wird derzeit im Rahmen eines Projektes zur Einführung eines Gesundheitsmanagementsystems in der Finanzverwaltung Rheinland überprüft, in dessen Kontext es Beschäftigten mit erhöhtem Chronifizierungsrisiko in 4 Pilot-Finanzämtern empfohlen und vor Ort entsprechend durchgeführt wird. Die Evaluation erfolgt durch ein Mehrphasen-Design, in dem Kriteriumsvariablen sowohl vor als auch nach Durchführung des Trainings erhoben werden und ausgewählte Pilot-Finanzämter als Wartelisten-Kontrollgruppen fungieren.
Kristine Matthias, Judith Siever, Bernd Röhrle (Marburg), Rebekka Binnen (Weimar-Roth)
Children-D-Prevent: Ein präventives Gruppenprogramm für Kinder depressiver Eltern
Kinder depressiver Eltern sind in vielfältiger Weise von der Erkrankung ihrer Eltern betroffen. Sie tragen durch die erblichen und psychosozialen Belastungen ein erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken. Es wird das erste im deutschsprachigen Bereich entwickelte und evaluierte Gruppenprogramm zur Bewältigung dieser Belastung vorgestellt. Ziel des Programms ist es, die Resilienz der betroffenen Kinder zu stärken. Neben der Förderung der sozialen Netzwerke und der Suche nach sozialer Unterstützung liegt der Schwerpunkt des Programms auf der Wissensvermittlung über depressive Störungen sowie über Hilfsangebote. Im Ergebnis zeigt sich, dass dieses Programm seine wesentlichen Ziele erreichen konnte.
Birgitta Metternich, Klaus Schmidtke, Michael Hüll (Freiburg)
Pilotstudie: Entwicklung und Evaluation eines gruppentherapeutischen Ansatzes zur Behandlung der funktionellen Gedächtnis- und Konzentrationsstörung
Hintergrund: PatientInnen mit funktioneller Gedächtnis- und Konzentrationsstörung (FGK) (störende Alltagsbeeinträchtigung des Gedächtnisses in Abwesenheit pathologischer Testergebnisse) stellen sich häufig in Gedächtnissprechstunden, neurologischen und psychiatrischen Praxen, meist mit der Bitte um Demenzabklärung vor. Die FGK wird vermutlich durch chronischen psychosozialen Stress hervorgerufen und sollte der Gruppe der somatoformen Störungen zugeordnet werden. Die FGK kann negative Auswirkungen auf das Sozial- und Berufsleben haben. Bei FGK-PatientInnen ist die gedächtnisbezogene Selbstwirksamkeit deutlich herabgesetzt. Die von den PatientInnen bemerkte Gedächtnisstörung kann zu einem sekundären Stressfaktor im Sinne eines circulus vitiosus der Aufrechterhaltung und Verschlimmerung der Störung werden. Bisher gibt es kaum strukturierte Ansätze zur Behandlung der FGK. Wir entwickelten ein multimodales gruppentherapeutisches Konzept und evaluierten es in einer randomisierten klinischen Studie mit 6-monatiger Beobachtungsdauer.
Methode: 40 FGK-PatientInnen wurden per Randomisierung entweder der Experimental- (EG) oder der Wartelistenkontrollgruppe (WKG) zugeteilt. Grundlegende Elemente der 13-wöchigen Intervention waren Psychoedukation, kognitive Restrukturierung, die Vermittlung von Stressmanagementstrategien und Entspannungstechniken sowie die Durchführung von Achtsamkeitsübungen. Die Intervention zielte darauf ab, die gedächtnisbezogene Selbstwirksamkeit der PatientInnen zu stärken. Daten wurden vor der Intervention, direkt nach der Intervention (ca. drei Monate) und zum Follow-up (ca. sechs Monate) erhoben Eingesetzte Instrumente waren u.a. der Metamemory in Adulthood Questionnaire (MIA), der Perceived Stress Questionnaire (PSQ) und die SCL-90-R.
Ergebnisse: Im Vgl. zu WKG zeigte die EG eine signifikant stärkere Verbesserung im primären Zielparameter (gedächtnisbezogene Selbstwirksamkeit, MIA) zum Follow-up-Messzeitpunkt nach 6 Monaten (Effektstärke: d = 0.88). Für PSQ und SCL-90-R ließen sich keine signifikanten Therapieeffekte nachweisen.
Schlussfolgerung: Die Studie liefert einen vorläufigen Hinweis auf die Wirksamkeit des eingesetzten Therapieprogramms in der Reduktion typischer FGK-Symptomatik. Wir fanden keine Hinweise auf einen positiven Einfluss des Therapieprogramms auf allgemeinen wahrgenommenen Stress oder allgemeine psychische Beschwerden.
Harriet Salbach-Andrae (Berlin)
Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) und Kognitiv-Behaviorale Therapie (KBT) für Jugendliche mit Essstörungen
Einleitung: Die Studienlage zur Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlungen bei PatientInnen mit Essstörungen im Jugendalter ist derzeit noch unbefriedigend. In Anlehnung an Miller et al (1997) wurde an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Charité (CVK) ein ambulantes Dialektisch-Behaviorales Therapiemanual für PatientInnen mit Anorexia nervosa (AN) und Bulimia nervosa (BN) entwickelt (DBT-AN/BN). Zusätzlich wurde das von Jacobi et al. (2005) für die ambulante Behandlung von AN und BN entwickelte Kognitiv-Behaviorale Therapiemanual (KBT) für jugendliche PatientInnen adaptiert (KBT-AN/BN).
Methode: Es handelt sich um eine Therapievergleichsstudie mit Wartegruppen-design. PatientInnen werden randomisiert drei Gruppen zugeordnet (DBT-AN/BN, KBT-AN/BN, Wartegruppe). Die PatientInnen erhalten jeweils 25 Sitzungen Einzeltherapie (50 Minuten) sowie 25 Sitzungen Gruppentherapie bzw. Skillstraining (100 Minuten). Die Eltern werden in die einzel- und gruppentherapeutische Behandlung mit einbezogen. Die Effektivität der Therapie wird mit verschiedenen Messinstrumenten überprüft (u. a. Strukturiertes Inventar für Anorektische und Bulimische Essstörungen (SIAB), Symptom-Checkliste von L. R. Derogatis (SCL-90-R), Eating Disorder Inventory (EDI), Fragebogen zur Beurteilung der Behandlung (FBB-P, FBB-T)).
Ergebnisse: Die Ergebnisse weisen auf eine gute Akzeptanz beider Therapiekonzepte hin.
Friederike Schmidt, Katrin Körtner, Michael Dettling, (Berlin)
Subjektive Beurteilung einer psychotherapeutisch-psychoedukativen Intervention bei schizophrenen Erkrankungen
Hintergrund: (Teil-) stationäre Behandlungskonzepte für schizophrene Erkrankungen waren lange Zeit auf eine medikamentöse Behandlung fokussiert. In den letzten Jahren konnten jedoch auch Bedeutung und Wirksamkeit verhaltenstherapeutischer Interventionen bei dieser PatientInnengruppe nachgewiesen werden. Im Rahmen einer Neuorientierung im Gesundheitswesen hin zu einem patientenorientierten Vorgehen gewinnt gleichzeitig die subjektive Sichtweise der PatientInnen für die Evaluation therapeutischer Interventionen zunehmend an Bedeutung.
Ziel: Es wurde ein psychotherapeutisch-psychoedukatives Interventionsprogramm für die (teil-) stationäre Behandlung von schizophrenen Erkrankungen entwickelt. Dies besteht aus einem Gruppenprogramm, welches neben psychoedukativen Elementen bewältigungsorientierte und ressourcenaktivierende Komponenten enthält, sowie einem zusätzlichen Einzel-Kurzinterventionsprogramm zur Individualisierung und Vertiefung der in den Gruppensitzungen behandelten Themen.
Methode: Zur Evaluation des kombinierten Psychoedukationsprogramms wird derzeit eine prospektive, kontrollierte und randomisierte Studie mit zusätzlichen Follow-Up-Untersuchungen durchgeführt. Neben den klassischen Zielkriterien werden subjektive Variablen sowie die Beurteilung der Behandlung durch die PatientInnen erfasst.
Ergebnisse und Diskussion: Es sollen erste Ergebnisse hinsichtlich der Lebensqualität sowie der Zufriedenheit mit der Behandlung vorgestellt und diskutiert werden.
Winfried Schmidt (Bad Salzuflen)
Therapie bei Jugendkriminalität in der JVA Hövelhof
Es wird der Ablauf der Therapie nach dem MST dargestellt. Beim MST handelt es sich um eine „Multisystemische Therapie“ (MST) für Jugendliche und ihre Familien. Im Gegensatz zu anderen Therapieformen wird hier explizit die Herkunftsfamilie einbezogen. Dies ist natürlich im „Offenen Jugendvollzug“ einfacher als im „Geschlossenen Vollzug“. Die Anwendung des MST wird an den Indikationsbeispielen: kriminelles und gewalttätiges Verhalten, Substanzmissbrauch, sexuelle Übergriffe, psychiatrische Notfälle dargestellt. Mehrere kontrollierte Studien haben eine hohe Wirksamkeit der MST-Therapie nachgewiesen, Manuale tragen zur Qualitätssicherung bei. Gemessen am Behandlungsergebnis verursacht das Verfahren geringe Kosten.
Sabine Wolff, Anna Auckenthaler (Berlin)
„Doppelte Buchführung“ in der ambulanten Psychotherapie – Wie angehende PsychotherapeutInnen verschiedenen Anforderungen gerecht werden
Das Phänomen der doppelten Buchführung – „nach außen vertret’ ich das eine, machen tu ich was anderes“ – ist unter PsychotherapeutInnen seit langem bekannt. Die Ausbildung nach dem Psychotherapeutengesetz stellt angehende TherapeutInnen vor die Aufgabe, in ihren Therapien die Anforderungen verschiedenster „Auftraggeber“ zu vereinbaren (z.B. PatientInnenen, SupervisorInnenen, Ausbildungsleitung, Krankenkasse, staatliche Prüfung, eigene Vorstellungen und Ansprüche). Vor diesem Hintergrund liegt die Vermutung nahe, dass die „Strategie der doppelten Buchführung“ auch unter TherapeutInnen in Ausbildung weit verbreitet sein könnte. Aber ist dies tatsächlich der Fall? Wann beginnt die „Strategie der doppelten Buchführung“ und wodurch wird sie begünstigt? Welche Rolle spielen dabei die Ausbildungsinstitute, die DozentInnen und SupervisorInnen? Ausgehend von einer Untersuchung an PsychotherapeutInnen im letzten Drittel ihrer Ausbildung an vier Berliner VT-Instituten wird aufgezeigt, welche Spielarten der doppelten Buchführung sich bei PsychotherapeutInnen in Ausbildung finden lassen, wem gegenüber sie zum Einsatz kommen und wie sie von den TherapeutInnen erlebt werden. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der Ausbildungssituation und –gestaltung in Deutschland diskutiert.
Elena Zyryanova, Elena Studenova (Moskau/Russland)
Probleme der interkulturellen Assimilation der MigrantInnen in der Moskauer Region
Das Problem des Zusammenwirkens der MigrantInnen und der Stammbevölkerung in einer solchen Metropole wie Moskau zeigt keine Analogien hinsichtlich Umfang und Schärfe der Entwicklung der Situation in anderen Regionen. Die Existenz des Problems des gemeinsamen Lebens auf dem beschränkten Territorium Moskaus und der in der Moskauer Region lebenden Menschen, die verschiedenen ethnischen Gruppen, Religionen, Sprachen, Kulturen angehören und die verschiedene Lebensweise führen, ist Realität nicht nur des heutigen Tages, sondern auch der Zukunft. Die Mehrheit der Ankommenden in Moskau kann einer der nachfolgenden Gruppen zugeordnet werden: die MigrantInnen aus anderen Regionen Russlands und der nahegelegenen Gebiete der Zentralen Region Russlands; die MigrantInnen aus dem nahem Ausland, die EmigrantInnen aus dem entferntem Ausland, der Länder Zentralasiens, Afrikas und des Fernostens. Unabhängig davon, zu welcher Gruppe der MigrantInnen sie gehören, erfahren sie den kulturellen Schock, der mit den Besonderheiten der gigantischen Stadt verbunden ist. Solche Menschen befinden sich oft in einem marginalen Konflikt. "Der kulturelle Schock" ist ein Schock vom Zusammenstoß mit Neuem. Die Erfahrung der neuen kulturellen Realität ist unangenehm, weil sie unerwartet, und kann zur negativen Einschätzung der eigenen Kultur beitragen. Die Symptome des kulturellen Schocks sind vielfältig: die ständige Unruhe über die Qualität der Nahrung, des Trinkwassers, der Sauberkeit des Geschirrs, die Angst vor dem physischen Kontakt mit anderen Menschen, die allgemeine Angst, die Reizbarkeit, der Mangel an Selbstbewusstsein, psychosomatische Verwirrung, der Alkohol- und Drogenmissbrauch, die Depressionen, die Selbstmordversuche usw. Die marginale Person befindet sich die ganze Zeit im Zustand des zwischenmenschlichen und inneren Konfliktes, was sowohl für die Persönlichkeit, als auch für die Gesellschaft insgesamt gefährlich ist. Die Empfindung des Kontrollverlustes über die Situation, die eigene Inkompetenz, die Nichterfüllung der Erwartungen führt zu emotionalem Unbehagen, das sich in Anfällen von Zorn, Aggressivität und Feindseligkeit in Bezug auf die Vertreter der Moskauer Bevölkerung auswirkt. Das alles trägt nicht zu harmonischen und stabilen zwischenmenschlichen Beziehungen bei Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Vorbereitung der Individuen und ihrer Familien auf die interkulturelle Ausbildung:
- die Aufklärung (Bildung)
- die Orientierung
- die Instruktion
- die Trainings (der interkulturellen Zusammenwirkens, attributiven, kommunikativen Kompetenz usw.)
- die Kulturassimilatorer – die komplexen Programme mit konkreten Zielen.
Das Ziel der Forschung kann Folgendes sein: die Ausarbeitung der komplexen Programme der Arbeit mit den EmigrantInnen unter den Bedingungen der Metropole (zum Beispiel Moskaus) und die Forschung der sozialpsychologischen Besonderheiten der Arbeit mit den MigrantInnen.