Prävention wirkt! Doch wie kommt das Konzept zur Klientel?
(ab). Strategien, wie der Präventionsgedanke in gefährdete Bevölkerungsgruppen hineingetragen werden kann, gibt es viele. Ob diese Strategien auch Wirkung zeigen, steht auf einem anderen Blatt. Der 17. Kongress „Armut und Gesundheit“, der unter dem Motto „Prävention wirkt!“ im März in Berlin stattfand, beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit dieser Frage.
In Deutschland wächst etwa jedes fünfte Kind unter schwierigen sozialen Bedingungen auf. So sinken die Chancen auf ein gesundes Leben, wenn Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen, die Eltern nur geringe formale Bildung aufweisen, einen Migrationshintergrund haben oder über längere Zeit hinweg arbeitslos sind.
Der Zusammenhang von sozialer und gesundheitlicher Lage – nicht nur für Kinder – ist wissenschaftlich vielfach belegt worden. Arbeitslose verbringen doppelt so viele Tage im Krankenhaus wie Berufstätige, ihre Sterblichkeit ist im Vergleich zu Menschen in Beschäftigung deutlich erhöht. Auch bei prekär Beschäftigten, Alleinerziehenden, Wohnungslosen und einigen Gruppen von MigrantInnen liegen Morbidität und Mortalität über dem Durchschnitt. Laut Statistischem Bundesamt waren im Jahr 2011 etwa 16 Prozent der BürgerInnen armutsgefährdet.
Organisiert von „Gesundheit Berlin-Brandenburg“ und unterstützt von zahlreichen Partnern wie dem Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) an der TU Berlin und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, hat der 17. Kongress Armut und Gesundheit mehr als 2.200 Teilnehmende aus den unterschiedlichen Arbeitsfeldern nach Berlin gelockt. Vertreter/innen aus Wissenschaft, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, von Sozialversicherungsträgern oder Berufsverbänden waren ebenso wie Mitarbeiter/innen aus Verwaltung und Öffentlichem Gesundheitsdienst, von Armut Betroffene und Vertreter/innen von Praxisprojekten vor Ort. Der jährliche Kongress ist das größte Public Health-Forum in Deutschland. Er hat – seit 1995 – ein Problembewusstsein für den Zusammenhang von sozialer und gesundheitlicher Lage geschaffen.
Prof. Dr. Margaret Whitehead von der Universität Liverpool zeigte im Eröffnungsvortrag aus internationaler Perspektive auf, dass Prävention, die rein auf Aufklärung und Bildung fokussiert ist, Gefahr läuft, sozial Benachteiligte nicht zu erreichen. Umgekehrt seien jedoch auch Strategien, die sich rein auf benachteiligte Gruppen konzentrieren, nicht effektiv. Whitehead forderte daher universal angelegte Strategien.
In den Symposien und Workshops wurden Strategien diskutiert, die eine wirksame Prävention für mehr gesundheitliche Chancengerechtigkeit ermöglichen: So wurde beispielsweise das Projekt Eltern-AG vorgestellt, das mit seinem niedrig schwelligen Ansatz sehr erfolgreich Eltern in schwierigen Lebenslagen unterstützt, und in einem anderen Forum ging es um die Delmenhorster Präventionsbausteine, die vernetzte Frühe Hilfen in Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren ermöglichen.
In den Diskussionen wurde deutlich, dass scheinbare Patentrezepte und fertige Programme aus der Schublade nicht immer ohne Weiteres in der Praxis wirksam werden können. Ein Programm für Kitas beispielsweise könne nur funktionieren, wenn Träger und Kita-Leitung mitspielen. Die oftmals sehr unterschiedlichen Interessen der Akteure müssen zusammengeführt werden, und dies erfordere auch Zeit.
Quelle: www.armut-und-gesundheit.de