Psychische Gesundheit: EU-Kommission veröffentlicht Bericht zur Grünbuch-Konsultation und Eurobarometer-Umfrage
Quelle: VPP 1/2007
Die Umfrage zeigt, dass 13 % der Antwortenden in den letzten zwölf Monaten psychologische Hilfe gesucht haben. 7 % der EU-Bürger wurden aufgrund psychologischer oder emotioneller Probleme mit Medikamenten behandelt, 3 % nahmen eine Psychotherapie in Anspruch und 1 % wurde stationär behandelt. Frauen, ältere Menschen, Rentner und Hausfrauen/-männer sind am meisten durch Unwohlsein, sowohl in physischer als auch in emotioneller Hinsicht, gefährdet. Psychische Erkrankungen haben gravierende negative Auswirkungen auf das Berufsleben und die sozialen Beziehungen. Die Stigmatisierung ist zwar nicht übermäßig, aber doch beachtlich: 37 % der Antwortenden glauben, dass Menschen mit psychologischen Problemen eine Gefahr für andere darstellen. Die meisten Teilnehmer an der Konsultation forderten eine EU-Strategie zur Förderung der psychischen Gesundheit und der Prävention psychischer Erkrankungen sowie zur Bekämpfung von Stigmatisierungen.
„Die Bedeutung der psychischen Gesundheit muss stärker anerkannt werden. Die gute psychische Verfassung der Bevölkerung ist eine Voraussetzung für den Erfolg der EU in der Wissensgesellschaft. Die Situation von Menschen mit psychischen Problemen ist ein Indikator für den Grad der gesellschaftlichen Eingliederung in den EU-Ländern“, sagte der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar Markos Kyprianou.
Seelische Gesundheit in Europa
Jeder vierte Europäer ist mindestens einmal im Leben von psychischen Problemen betroffen. Mentale Erkrankungen sind mittlerweile eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen in der EU. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen sind beträchtlich: Psychische Krankheiten verursachen einen geschätzten Verlust von 3-4 % des EU-Bruttoinlandsprodukts (BIP). Nur ein Fünftel der Menschen mit schweren psychischen Problemen geht einer bezahlten Beschäftigung nach; bei Menschen mit körperlichen Behinderungen sind es dagegen 65 %.
Die Notwendigkeit einer Strategie zugunsten der psychischen Gesundheit
In ihrem für Konsultationszwecke aufgelegten Grünbuch „Die psychische Gesundheit der Bevölkerung verbessern – Entwicklung einer Strategie für die Förderung der psychischen Gesundheit in der Europäischen Union“1 vom Oktober 2005 schlug die Europäische Kommission die Entwicklung einer umfassenden Strategie für den Bereich „psychische Gesundheit“ auf EU-Ebene vor. Der heute veröffentlichte Bericht gibt einen Überblick über die 234 bei der Kommission eingegangenen Antworten. Darin wurde das Grünbuch insgesamt begrüßt, und es wurden eine größere Beachtung und ein höherer Stellenwert der psychischen Gesundheit gefordert. Die Mehrzahl der Antwortenden unterstützte die Entwicklung einer Strategie zur Förderung der psychischen Gesundheit.
Ein kohärenter, bereichsübergreifender Ansatz zum Thema "psychische Gesundheit"
Die Antwortenden sprachen sich dafür aus, den Schwerpunkt auf die Förderung der psychischen Gesundheit und auf vorbeugende Maßnahmen zu legen sowie auf die Verbesserung der Lage psychisch Erkrankter durch die Verringerung von Stigmatisierung und Diskriminierung. Zu diesem Zweck sollte bei der Politikgestaltung und –umsetzung den Auswirkungen von Maßnahmen anderer politischer Bereiche auf die psychische Gesundheit besser Rechnung getragen werden, und die Entwicklung geeigneter Instrumente sollte vorangebracht werden. Ferner wurde auf die dringende Notwendigkeit einer besseren Betreuung psychisch Erkrankter verwiesen. In diesem Zusammenhang wurde ein intensiverer Austausch und eine engere Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten empfohlen. Auch wurden ein großer Forschungsbedarf sowie die Notwendigkeit besserer Verbindungen zwischen Forschung und Politik deutlich.
Die Eurobarometer-Umfrage: Wer ist am meisten von Depressionen betroffen?
Frauen, ältere Menschen, Rentner und Personen, die daheim arbeiten (diese Kategorien können sich auch überlappen), leiden nach eigener Aussage am meisten unter Einschränkungen ihrer physischen oder mentalen Gesundheit.
Berufliche und soziale Probleme
Drei Fünftel der Europäer (60 %) hatten niemals Probleme mit sozialen Aktivitäten, z. B. Besuch bei Freunden oder Verwandten, aufgrund emotioneller Probleme. Indessen berichteten 40 % der Antwortenden, die psychologische Beratung oder Behandlung in Anspruch genommen hatten, über Schwierigkeiten mit beruflichen oder sozialen Aktivitäten infolge physischer oder psychologischer Gesundheitsprobleme, und 21 % sagten aus, dass sie in den letzten vier Wochen einige Tage krank geschrieben waren. 1 KOM(2005) 484 endg. vom 14. Oktober 2005.
Betreuung und Behandlung
Von denjenigen Personen, die wegen psychologischer Probleme behandelt wurden, nahmen 84 % Medikamente, 40 % gingen zum Psychotherapeuten und 17 % wurden stationär behandelt. Von denjenigen, die psychologische Beratung suchten, nahmen 41 % Medikamente, 23 % unterzogen sich einer Psychotherapie und 9 % wurden stationär behandelt. Wenn sich die Europäer schlecht fühlen, wenden sie sie am ehesten an Familienmitglieder (53 %) oder Gesundheitsfachleute (50 %). Etwa ein Viertel sucht Hilfe bei einem Freund (22 %).
Stigmatisierung
Im Allgemeinen scheinen die Europäer recht tolerant zu sein, was die Einstellung gegenüber Menschen mit psychologischen oder emotionellen Problemen anbelangt. Gleichwohl glauben 37 % der Antwortenden, dass Menschen mit psychologischen Problemen eine Gefahr für andere darstellen. Eine Minderheit (21 %) ist der Meinung, dass Menschen mit psychologischen oder emotionellen Problemen nie mehr gesund werden, und 14 % der Antwortenden finden, dass Menschen, die psychologische Probleme haben, selbst daran Schuld sind. Die Mehrheit (63 %) glaubt, dass Personen mit mentalen Problemen unberechenbar sind. Menschen, die selbst ähnliche Probleme hatten, legen mehr Einfühlsamkeit gegenüber den Betroffenen an den Tag.
Der neue Bericht über die Konsultation zum Thema „psychische Gesundheit“ ist verfügbar unter:
http://ec.europa.eu/health/ph_determinants/life_style/mental_health_de.htm
Die Eurobarometer-Veröffentlichung über psychisches Wohlbefinden finden Sie unter:
http://ec.europa.eu/health/ph_publication/eurobarometers_en.htm