Psychotherapeuten/-innen in Ausbildung (PiA) - Unterwegs auf dem Klageweg?!
Am 10.10.13 lud ver.di Berlin zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung zu der Frage:
Welche Möglichkeiten bietet der individual-arbeitsrechtliche Klageweg und welches Potenzial haben betrieblich-kollektive Lösungsansätze für die Beendigung sittenwidriger Arbeitsbedingungen von PiA?
Eingeladen waren alle Berliner PiA, Interessenvertretungen der Arbeitnehmer der psychiatrischen Berliner Versorgungslandschaft, PiA-VertreterInnen verschiedener PiA-Organisationen, berufspolitisch Interessierte sowie zur Podiumsdiskussion: Gerd Dielmann (bis 2012 Bereichsleiter Berufspolitik bei ver.di), Volker Gernhardt (stellv. BR-Vorsitzender Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH) und Katharina Simons (ver.di PiA-AG Berlin).
Nachdem Meike Jäger (Landesfachbereichsleiterin bei ver.di in Berlin) die Diskussion eröffnete, stellte Katharina Simons die, überwiegend prekären, Arbeitsbedingungen von PiA während ihrer Praktischen Tätigkeit in den Berliner Kliniken und die Schwierigkeiten der politischen Arbeit in den Betrieben dar. Gerd Dielmann erläuterte die Rechtsgrundlagen der Praktischen Tätigkeit und die daraus ableitbaren Schlussfolgerungen für die juristische Klärung eines Streitfalls um ein Vertragsverhältnis bzw. eine Vergütung der Praktischen Tätigkeit. Er verwies auf Eigenschaften, die ein Arbeitsverhältnis auszeichnen (z.B. Weisungsgebundenheit, Abrechnung, Fokus auf Ausbildungszweck ggü. Arbeitsleistung) sowie Möglichkeiten der Beweislast im Streitfall zu entsprechen. Im Anschluss berichtete Volker Gernhardt von der erfolgreichen Durchsetzung einer Vergütung für PiA bei Vivantes, die durch das unermüdliche und seit 2011 bestehende Engagement von PiA, Betriebsrat und ver.di möglich geworden sei. Durch Teilbetriebsversammlungen und Verhandlungen des Betriebsrates mit dem Arbeitgeber sei es schließlich - trotz Widerstands auf der mittleren Führungsebene bei der einheitlichen Umsetzung der neuen Verträge – gelungen, eine Bezahlung nach Mindestlohn sowie eine Praktikantenvereinbarung, die zumindest Wochenstunden, Urlaub und Bezahlung regele, zu erwirken. Entgegen weit verbreiteter Befürchtungen berichtet Herr Gernhardt, dass die Zahl der PiA bei Vivantes seit Einführung der Vergütung von 40 auf 64 gestiegen sei.
Im Anschluss berichteten Arbeitnehmervertreter und PiA über die aktuellen Arbeitsbedingungen und bisherige betriebliche Initiativen in den einzelnen Versorgungseinrichtungen. Im Laufe der Veranstaltung konnten so sowohl Arbeitnehmervertretungen für die Situation der Psychotherapeuten in Ausbildung während der Praktischen Tätigkeit sensibilisiert, als auch PiA konkrete Wege und AnsprechpartnerInnen für betriebliche Lösungen der Vergütungsfrage aufgezeigt werden. Mögliche Wege hin zu einem Tarifvertrag für PiA wurden skizziert und Strategien für das weitere Vorgehen im Hinblick auf Klagen und betriebliche Lösungen erörtert. Als besonders positiv bleibt das Interesse der anwesenden Arbeitnehmervertreter in Erinnerung, sich trotz der vergleichweise kleinen Anzahl von PiA gegenüber anderen Berufsgruppen für die Belange der angehenden Psychotherapeuten einzusetzen.
Hannah Bäßler, Berlin
PiA-Sprecherin der DGVT