Qualitätsmanagement: Was ist zu tun?
Laut Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) sollen alle niedergelassenen PsychotherapeutInnen den Aufbau ihres praxisinternen Qualitätsmanagements (QM) bis Ende 2009 abgeschlossen haben. Nun, nach einer Überprüfung und Bewertung in 2010, soll das QM weiterentwickelt und jährlich überprüft werden. Dies gilt für alle Niedergelassenen, die vor dem 1.1.2006 ihre Praxis eröffnet haben.
Für alle, die sich nach 2006 niedergelassen haben und sich künftig niederlassen werden, gilt weiterhin der Phasenplan, der eine fünfjährige Einführung des QM vorsieht.
- Phase 1: Innerhalb von zwei Jahren soll die Einführung des QM geplant werden; entsprechende Schulungen können besucht werden.
- Phase 2: Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll das QM eingeführt sein,
- Phase 3: Nun folgt die Selbstüberprüfung. Dann sollte alles am Laufen sein.
Die KVen überprüfen seit 2007 jährlich bei 2,5% ihrer Mitglieder (Ärzte und Psychotherapeuten) den Stand der Entwicklung des QM mit Hilfe von Selbstbeurteilungsbögen. Die gesammelten Rückmeldungen aus den KVen werden an den G-BA gesendet.
Die letzte Rückmeldung der KVen an den G-BA im Juni 2010 bescheinigt den Befragten eine planmäßige Einführung des QM. „Die Zahlen belegen, dass sich Qualitätsmanagement bei den Vertragsärzten und -psychotherapeuten bundesweit weiter etabliert hat“, konstatiert Dr. Andreas Köhler (Vorsitzender des Vorstandes der KBV) in einem Schreiben an den G-BA.
Die Methode, wie Qualitätsmanagement umzusetzen ist, wurde allerdings nie festgelegt, auch gibt es nach wie vor keinen Hinweis auf die Notwendigkeit von Zertifizierungen. Weit verbreitet und häufig genutzt ist das QM-System der KBV: QEP (Qualität und Entwicklung in Praxen). Dieses ist nun mit dem Qualitätszielkatalog 2010 aktualisiert im Deutschen Ärzteverlag erschienen.
Aber auch andere Ansätze, wie z.B. die Musterhandbücher, die auf der Website der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen angeboten werden, haben sich bei PsychotherapeutInnen verbreitet. Sie sind exemplarisch auf die psychotherapeutische Einzelpraxis der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten zugeschnitten. Es ist schließlich auch möglich, ein eigenes Qualitätsmanagementsystem zu entwickeln. Es muss lediglich den inhaltlichen Anforderungen entsprechen und nachvollziehbar, also dokumentiert, sein.
Zweifel und Kritik
Unumstritten ist die Einführung des QM in Praxen nicht. In Diskussionen und Beiträgen werden von KollegInnen immer wieder Zweifel und Kritik über die Art und Weise des QM geäußert. Beispielhaft sei die Fokussierung der KVen auf das QEP genannt, das für viele Fragen und auch Ratlosigkeit bei den PsychotherapeutInnen in Einzelpraxen sorgte, die Zeit in Schulungen investiert hatten und danach feststellten, dass ein Großteil an ihrem Bedarf vorbeigeht.
Da die psychotherapeutischen Effekte und Veränderungen der Patienten bei den bisherigen weit verbreiteten Modellen von QM nicht im Mittelpunkt stehen, sondern Rahmenbedingungen im Praxisalltag, Fortbildungen und Vernetzungen etc., bleibt aus unserer Sicht ein wichtiger Bereich unterrepräsentiert. Im Rahmen der DGVT-Ausbildungstherapien wird von daher seit Jahren Wert gelegt auf die Evaluation des Therapieverlaufs und der Therapieergebnisse.
Anja Dresenkamp und Markus Hertle
Qualitätssicherungskommission (QSK) der DGVT