„SAVE – Strategien für Jugendliche mit ADHS“
(Spröber, Fischer, Brettschneider, Fegert & Grieb, 2013)
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstö-rungen (ADHS) zählen zu den häufigsten Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter (Tischler et al. 2011). Bei AD(H)S handelt es sich – wenn unbehandelt – um ein relativ stabiles Krankheitsbild mit teilweise weitreichenden Einschränkungen des psychosozialen Funktionsniveaus. Die Ausprägung der drei Kardinalsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität verändert sich im Entwicklungsverlauf (vgl. Schmidt & Petermann, 2008; Tischler, Schmidt, Petermann & Koglin, 2010). Speziell im Jugendalter rücken eine geringe Selbstkontrolle, erhebliche Organisations- und Planungsprobleme, eine niedrige Anstrengungsbereitschaft und Defizite im Arbeitsverhalten in den Vordergrund (Garg & Arun, 2013), wodurch die betroffenen Jugendlichen erhebliche Schwierigkeiten haben, die alterstypischen Entwicklungsaufgaben (z.B. eigenmotiviertes Lernen, Selbständigkeit bei Alltagsorganisation) erfolgreich zu bewältigen. Das hier vorgestellte Trainingsprogramm „SAVE – Strategien für Jugendliche mit ADHS“ (Spröber, Fischer, Brettschneider, Fegert & Grieb, 2013) zielt auf die Verbesserung der dazu notwendigen Fertigkeiten ab. Das Akronym „SAVE“ steht hierbei für die „Verbesserung der Aufmerksamkeit, der Verhaltensorganisation und der Emotionsregulation“.
Als inhaltliche Grundlage zur Entwicklung des Trainingsprogrammes diente das kognitiv-behaviorale Einzeltherapieprogramm zur Therapie von erwachsenen Patienten mit ADHS in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung von Safren, Perlman, Sprich und Otto (2005a, 2005b). Das Trainingsprogramm SAVE wurde speziell auf die Altersgruppe zwölf bis 18-jähriger Jugendlicher mit AD(H)S und einer Gruppengröße von sechs bis acht Personen zugeschnitten.
Folgende Ziele werden mit der Durchführung des Trainingsprogramms verfolgt:
- Zielorientierung und Steigerung der Veränderungsmotivation
- Steigerung des Wissens über AD(H)S
- Verbesserung der Aufmerksamkeitsleistung
- Verbesserung des Organisations- und Planungsverhaltens/ Chaosorganisation
- Erlernen von angemessenem Problemlösen
- Verbesserung der Emotionsregulation (Impulskontrolle)
- Selbstmanagement.
- Das Trainingsprogramm beinhaltet insgesamt zehn im wöchentlichen Abstand aufeinanderfolgende Sitzungen von eineinhalb-stündiger Dauer.
- In dem Trainingsprogramm wurde durch folgende Methoden erreicht, dass eine möglichst effektive Durchführung des Trainingsprogramms und ein guter Alltagstransfer gelingen und sich die Selbstwirksamkeit und Veränderungsmotivation der Jugendlichen verbessern:
- Für die Trainer/ Therapeuten werden praktische Hinweise zur Durchführung von (Gruppen-) trainings mit ADHS-Patienten formuliert (z.B. Steigerung der Selbstwahrnehmung der Patienten von Unruhe/ Unkonzentriertheit, Übungen zur Steigerung der Konzentration/ zur Reduktion von Unruhe, Regeln zur Durchführung des Trainings)
- Einbeziehung eines Trainingscoaches zur Verbesserung des Alltagstransfers (Sitzung mit den Coaches, Briefe an die Coaches nach jeder Sitzung)
- Einführung eines Verstärkersystems zur Durchführung der Alltagsaufgaben
- Zielformulierung und Einschätzung der Zielerreichung nach jeder Sitzung
Das Trainingsprogramm wurde in einer quasi - experimentelle Studie auf die langfristige Effektivität in einem Eigenkontrollgruppendesign mit acht Trainingsgruppen (N = 49 Jugendliche; Alter: 12 - 18 Jahre, MW = 14.14, SD = 1.59) im Selbst- und Elternurteil zu sechs Messzeitpunkten (10 Wochen vor/ direkt vor der Intervention, nach der 5. Trainingssitzung, direkt nach/ 10 und 20 Wochen nach Abschluss der Intervention) anhand standardisierter Interviews/ Fragebogen untersucht. Mit Ausnahme der Symptomstärke „Hyperaktivität“ und „Impulsivität“ konnte 20 Wochen nach Beendigung des Trainings mit mittleren bis großen Effektstärken auf der „Gesamtskala“ sowie der Subskala „Aufmerksamkeit“ eine signifikante Reduktion der AD(H)S-Symptomatik im Selbst- und Fremdurteil nachgewiesen werden.
Literatur
Garg J, Arun P: A Follow-up Study of Academic Functioning and Social Adjustment in Children with Attention Deficit Hyperactivity Disorder. Indian J Psychol Med 35: 47-52 (2013)
Safren, S.A., Perlman, C.A., Sprich, S. & Otto.M.W. (2005a). Mastering your adult ADHD. A cognitive-behavioral treatment program. Client workbook. New York: Oxford.
Safren, S.A., Perlman, C.A., Sprich, S. & Otto.M.W. (2005b). Mastering your adult ADHD. A cognitive-behavioral treatment program. Therapist Guide. New York: Oxford.
Schmidt, S. & Petermann, F. (2008). Entwicklungspsychopathologie der ADHS. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 56(4), 265-274.
Spröber, N., Fischer, L., Brettschneider, A., Fegert, J.M. & Grieb, J.( 2013). SAVE – Strategien für Jugendliche mit ADHS. Springer: Berlin, Heidelberg.
Tischler, L., Schmidt, S., Petermann, F. & Koglin, U. (2010). ADHS im Jugendalter - Symptomwandel und Konsequenzen für Forschung und klinische Praxis. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 58(1), 23-34.
Dr. Nina Spröber, Neu-Ulm