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Dr. Carsten Schmidt, Dr. Claudia Ruff

Seminarreihe "Lern-Leistungsstörungen" in Krefeld

01. Februar 2007

Bedingt durch zwei politisch-gesellschaftlich relevante Entwicklungen ist das Thema "Lernen" in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus gesellschaftlicher Betrachtungen geraten.

 

Zum einen handelt es sich dabei um die seit vielen Jahren gleichbleibend hohe Arbeitslosigkeit in unserem Land, der es laut Aussagen der Politiker insbesondere mit entsprechend hoher beruflicher Qualifikation zu begegnen gilt, zum anderen haben die PISA-Studien der letzten Zeit gerade darauf hingewiesen, dass es um die Bildung, zuvorderst die notwendigen basalen Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen, in der nachrückenden Generation eben nicht besonders gut bestellt ist. Zusammengenommen lässt das daher eher ein skeptisches Bild hinsichtlich zukünftiger beruflicher Chancen des Einzelnen sowie der weiteren Entwicklung unserer Gesellschaft insgesamt entstehen. Somit ist es gut verständlich, dass gerade die Eltern der heutigen Schüler stärker sensibilisiert, und zum Teil mit großer Sorge,  auf die Entwicklung ihrer Kinder schauen. Insbesondere Eltern von Kindern, die mit besonderen Handicaps, wie etwa Schwierigkeiten beim Erlernen der grundlegenden Kulturtechniken wie dem Lesen und Rechtschreiben (Legasthenie) und der Mathematik (Dyskalkulie), zu kämpfen haben, sind täglich darum bemüht, ihren Schützlingen die bestmögliche Förderung (zumeist in Form einer Lerntherapie) zukommen zu lassen, um somit deren Chancen auf eine spätere, gute berufliche (Aus-) Bildung zu wahren bzw. zu vergrößern.

In diesem Zusammenhang ist seit vielen Jahren festzustellen, dass den Eltern auf deren Frage, welcher Lerntherapeut denn nun eine "gute" Lerntherapie anzubieten habe, eine eher  unbefriedigende Antwort gegeben werden muss: Während es in der Psychotherapie (nach Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes) klare Regelungen hinsichtlich der Qualifikation von (Erwachsenen- und Kinder- & Jugendlichen-) Psychotherapeuten gibt und deren Berufsbezeichnung zudem gesetzlich geschützt ist, ist dieses auf dem Gebiet der Lerntherapie (leider!) noch nicht gegeben. Hier tummelt sich neben gut qualifizierten Therapeuten unterschiedlichster Grundqualifikationen (Psychologen, Pädagogen, Sozialpädagogen, Lehrern etc.) auch eine große Zahl gering bis nicht qualifizierter sowie selbst ernannter Helfer. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen ist für Eltern eine fast unmögliche Aufgabe. Die Wahrscheinlichkeit, an einen gutwilligen, jedoch unzureichend qualifizierten Anbieter zu geraten, ist äußerst groß; insbesondere auch deshalb, da diese Anbietergruppe in aller Regel über einen konkurrenzlos günstigen Honorarsatz auf den Anbietermarkt drängt und Eltern insbesondere in wirtschaftlich angespannten Zeiten auf diesem Wege anzuwerben versucht. Diese einerseits für seriöse und qualifizierte Lerntherapeuten die berufliche Existenz auf das schärfste bedrohende, andererseits fachlich ebenso äußerst bedenkliche Situation hat dazu geführt, dass der Fachverband für integrative Lerntherapie (FiL) (Osnabrück), ein Berufsverband für Lerntherapeuten, Aus- und Weiterbildungsrichtlinien für Lerntherapeuten entwickelt hat. Erfüllt ein Mitglied sämtliche geforderte, theoretische wie praktische Ausbildungskriterien, wird ihm/ihr das Zertifikat "Lerntherapeut im FiL" zuerkannt und weist dieses Mitglied somit als qualifizierten Anbieter aus. Die für den Titelerwerb notwendigen Qualifikationen kann das Mitglied über das Absolvieren von Fortbildungsmodulen unterschiedlicher Fortbildungsinstitute erwerben. Der FiL entscheidet in einem vorherigen Anerkennungsverfahren, ob die angebotenen Inhalte den Ausbildungsrichtlinien des Fachverbandes entsprechen und somit anerkannt werden können.

Die DGVT hatte nun vor ca. 2 Jahren, gewissermaßen in Anknüpfung an ihre gute alte Tradition, die psychosoziale Versorgung in unserem Land zu verbessern, die Idee, eine Seminarreihe "Lerntherapie", insbesondere für KiJu-Psychotherapeuten, unter ihrem Dach anzubieten. Nachdem als Auftragsarbeit eine Konzeption für eine 3-teilige Seminarreihe erstellt worden war, startete ein erster Lehrgang im Januar 2005 im Ausbildungsinstitut Krefeld. Gut 20 Teilnehmer beschäftigten sich an 3 Wochenenden über das Jahr verteilt mit Themen wie psychologischer (Test-) Diagnostik, Legasthenie, Dyskalkulie, Motivation, AD(H)S, Eltern-Beratung, Lerntechniken, Selbstmanagement, Therapiematerialien und einigen anderen Themen, die im lerntherapeutischen Kontext von Bedeutung sind. Als Referenten konnten Dr. Claudia Ruff, Bottrop, sowie Dr. Carsten Schmidt, Rendsburg, der auch die anfängliche Konzeption erstellt hatte, gewonnen werden. Beide sind neben ihrer Mitgliedschaft und ihrem Engagement für die DVGT zugleich auch Mitglieder im FiL, dort ebenfalls fachlich-inhaltlich engagiert und sorgen sich auf diesem Wege um eine synergetische Kooperation beider Fachverbände. Beide sind jeweils in eigener, freier Praxis sowohl psychotherapeutisch als auch lerntherapeutisch tätig. Von ihren "Doppel-Qualifikationen" profitieren die SeminarteilnehmerInnen nicht nur bei der Vermittlung der fachlichen Inhalte, sondern auch durch die umfassende praktische Erfahrung beider, die diese immer wieder in ihre Präsentationen einfließen lassen.

Aufgrund anhaltend großer Nachfrage konnte im Januar 2006 bereits der zweite Fortbildungslehrgang in Krefeld gestartet und Ende Juni 2006 erfolgreich abgeschlossen werden. Im afp-Jahressprogramm 2006/2007 ist für November 2006 der Start der dritten Seminarreihe, abermals in Krefeld, angekündigt. Zudem laufen z. Zt. Planungen, eine weitere Seminarreihe  in Süddeutschland anzubieten. Seminarbausteine wie Fachdidaktik in Deutsch sowie in Mathematik sind ebenso in der Planung wie die Realisierung einer curricularen Fortbildung mit Erfolgskontrolle. Die bisherigen Module sind seit Juli 2006 anerkennungsfähig durch den Fachverband für Integrative Lerntherapie (FiL)