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Berufsbild KJP / PP  • VPP 1/2005  • Wissenschaftlicher Beirat

Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie nach § 11 PsychThG zur Psychodynamischen Psychotherapie bei Erwachsenen

08. Februar 2007

Redaktionelle Vorbemerkung: Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 11. November 2004 seine Stellungnahme zur Psychodynamischen Psychotherapie bei Erwachsenen.

 

Quelle: 'Rosa Beilage' zur VPP 1/2005

Redaktionelle Vorbemerkung: Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 11. November 2004 seine Stellungnahme zur Psychodynamischen Psychotherapie bei Erwachsenen.
Wir drucken nachfolgend Ausschnitte aus der Stellungnahme ab (Kapitel "Vorbemerkung", "Grundlagen" und "Abschließende Hinweise" [=Zusammenfassung der Begutachtung]). Im Anschluss daran veröffentlichen wir die Kommentare der DGPT und der DFT zur Stellungnahme des WBP.

Stellungnahme zur Psychodynamischen Psychotherapie bei Erwachsenen

Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete in der Sitzung vom 11. Nov. 2004 die folgende Stellungnahme zur Psychodynamischen Psychotherapie bei Erwachsenen:

Vorbemerkung

Die Verhaltenstherapie und die psychoanalytisch begründeten Verfahren unterliegen als vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen anerkannte Verfahren nicht der Prüfung durch eine Landesbehörde oder der gutachterlichen Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie nach § 11 PsychThG (WBP). Im Sinne einer Gleichbehandlung aller psychotherapeutischen Verfahren vertritt der WBP die Auffassung, dass auch die Richtlinienverfahren die Gelegenheit wahrnehmen sollten, die Wissenschaftlichkeit ihrer Methode evaluieren zu lassen. Der WBP bot den entsprechenden Fachgesellschaften hierzu seine Hilfe an und stellte seine Kriterien bzw. Verfahrensgrundsätze zur Verfügung. Die im November 2001 und September 2003 eingegangenen Dokumentationen zur Psychodynamischen Psychotherapie wurden nach den gleichen Kriterien bearbeitet wie die anderen vom Wissenschaftlichen Beirat im Hinblick auf wissenschaftliche Anerkennung behandelten psychotherapeutischen Verfahren. Das Ergebnis liegt nun vor:

1. Grundlagen der Begutachtung

Der WBP sieht keine wissenschaftliche Grundlage für eine Unterscheidung zwischen tiefenpsychologisch fundierter und analytischer Psychotherapie als zwei getrennte Verfahren. Diese Unterscheidung ist lediglich sozialrechtlich bedingt und eine Besonderheit der Bundesrepublik Deutschland. Von daher sieht der WBP auch keine Rechtfertigung für unterschiedliche Ausbildungsgänge und Ausbildungsinstitute. Die vertiefte Ausbildung im Sinne des § 1 Absatz 1 Satz 1 der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Psychologische Psychotherapeuten bzw. für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sollte einheitlich in dem Verfahren Psychodynamische Psychotherapie erfolgen.
Der WBP hat beschlossen, in seiner Stellungnahme Psychodynamische Psychotherapie als
Oberbegriff für die tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapien und die psychoanalytischen Therapien zu verwenden. Die folgende Stellungnahme bezieht sich also auf die Psychodynamische Psychotherapie als ein Verfahren. Bei dieser Stellungnahme werden Langzeitbehandlungen (mehr als 100 Stunden) nicht berücksichtigt, da diese Behandlungsform besondere Forschungsfragen aufwirft, die in einer gesonderten Stellungnahme berücksichtigt werden sollen.
Die Stellungnahme basiert auf der von der Deutschen Gesellschaft für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (DFT) e.V. eingereichten Dokumentation vom 7.11.2001 und der vorläufigen Fassung einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie und Tiefenpsychologie (DGPT) e.V. vom 8.9.2003. Berücksichtigung fanden weiterhin die von der DFT mit Schreiben vom 28.7.2003 nachgereichten Studien für die Bereiche Schizophrenie und Depression und die von der DGPT mit Schreiben vom 29.9.2003 nachgereichten Studien.
Im WBP sollte geprüft werden, ob für die Psychodynamische Psychotherapie als wissenschaftliches Verfahren - und wenn ja, für welche Indikationsbereiche - die Kriterien für eine wissenschaftliche Anerkennung erfüllt sind. (...)

10. Abschließende Hinweise

Der WBP weist abschließend nochmals darauf hin, dass er die Auffassung vertritt, dass die gemeinsame theoretische Basis der tiefenpsychologisch fundierten und der psychoanalytischen Psychotherapie eine einheitliche Aus- und Weiterbildung in dem Verfahren der Psychodynamischen Psychotherapie erfordert.
Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie stellt zusammenfassend fest, dass die Psychodynamische Psychotherapie bei Erwachsenen für Behandlungen in folgenden Anwendungsbereichen als wissenschaftlich anerkannt gelten kann: Affektive Störungen, Angststörungen, Belastungsstörungen, Dissoziative, Konversions- und somatoforme Störungen, Essstörungen, Psychische und soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten, Persönlichkeitsstörungen und Verhaltensstörungen, Abhängigkeit und Missbrauch sowie Schizophrenie und wahnhafte Störungen. Das gilt für Langzeitbehandlungen ab 100 Stunden.
Damit liegt die Zahl der wissenschaftlich anerkannten Anwendungsbereiche deutlich über der Zahl, die vom Wissenschaftlichen Beirat für erforderlich gehalten wird, um ein Verfahren für die vertiefte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten nach dem PsychThG zu empfehlen.
Angesichts der Vielfalt der Methoden und Techniken der PP darf sich die Aus- bzw. Weiterbildung in diesem Verfahren nicht auf einzelne Methoden, Techniken oder Anwendungsbereiche beschränken.

Berlin, den 11.11.2004

Prof. Dr. Jürgen Margraf (Vorsitzender) Prof. Dr. Gerd Rudolf (Stellv. Vorsitzender)

 


[1] Quelle: Homepage des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie nach § 11 PsychThG
[ www.wbpsychotherapie.de ]