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Waltraud Deubert, Heiner Vogel

Treffen der Psychotherapeutenverbände (GK II) am 30. Januar 2005 in Berlin

29. Januar 2007

Das erste Treffen der Psychotherapeutenverbände in diesem Jahr in winterlicher Atmosphäre in Berlin hatte mehrere Schwerpunkte:

 
  1. die Ergebnisse der gerade abgelaufenen Wahlen bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung [KBV] [siehe separaten Bericht in dieser Rosa Beilage];
  2. das Antragsverfahren der Gesprächspsychotherapie zur Zulassung als Richtlinienverfahren beim Gemeinsamen Bundesausschuss;
  3. Kooperation mit der Bundespsychotherapeutenkammer - Bericht zu den Entwicklungen zur Health Professional Card [HPC] bzw. die neue Bezeichnung Gesundheitsberufekarte [GBK] [siehe ausführlichen Bericht in VPP 4/04, S. 907f];
  4. Vorbereitung einer Expertentagung zur möglichen grundlegenden Revision der Psychotherapierichtlinien;
  5. Diskussion um neue Studienabschlüsse bzw. die Abschaffung des Diploms und die Frage der Zugangsvoraussetzungen zur Psychotherapieausbildung

sowie eine Reihe weiterer Punkte (Gespräche mit Politikern; Gesetzentwurf Kommunalentlastungsgesetz [siehe separaten Bericht in dieser Rosa Beilage]; Mitgliedschaft der PT-Verbände in der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften [AWMF], Verfahren zum deutschen Psychotherapeutengesetz vor dem Europäischen Gerichtshof [siehe separaten Bericht in dieser Rosa Beilage]).

 

 Der vor dem Tagungshotel gerade frisch gefallene dichte Schnee verbreitete vielleicht auch bei den ca. 40 TeilnehmerInnen eine recht friedvolle Stimmung, so dass die Sitzung bei allen unterschiedlichen Positionen und den zahlreichen (zumindest für Insider) spannenden Themen dennoch recht konstruktiv und zeitgerecht verlaufen konnte. Wir berichten kurz über die genannten Schwerpunktthemen: zu 1) Das Wahlergebnis bei den - gerade am Vortrag abgelaufenen - Wahlen der KBV-Vertreterversammlung zu den dortigen Ausschüssen und weiteren Posten wurde kurz berichtet. Eine Diskussion darüber erfolgte nur knapp. Die Tatsache, dass die Mehrheitsverbände die für die PT zustehenden Posten nach ihren Wünschen besetzten und viele Erwartungen aus dem Kreis der übrigen Verbände nicht berücksichtigten (insbesondere wurden - wie an anderen Stellen berichtet - keine Vertreter von DGVT, BVVP und BDP/VPP beteiligt), wurde zwar kurz kritisiert, aber man ging dann wieder zur Tagesordnung über. Interessant war auf jeden Fall der Hinweis, dass die bis dato recht einheitliche Front der ärztlichen PT-Verbände offenbar im Vorfeld der Wahlen zerbrochen ist und es dort eine lebhafte Auseinandersetzung zwischen den Verbänden der alten StäKo (Ständige Konferenz der ärztlichen PT-Verbände) und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) gegeben hat, die letztlich dazu führte, dass Vertreter beider Gruppierungen zukünftig auf der Ärztebank im Beratenden Fachausschuss Psychotherapie werden Platz nehmen dürfen. zu 2) Kurz vor der Sitzung war eine Stellungnahme der Deutschen Fachgesellschaft für Verhaltenstherapie (DVT) zum GT-Antrag verbreitet worden, die sich im Kern gegen eine Zulassung der GT als Richtlinienverfahren ausspricht. Die Mehrheit der Verbände  erlebten diese Stellungnahme als Affront gegen die GT, zumal hier besonders hohe Maßstäbe der Bewertung angelegt wurden, die auch von anderen zugelassenen Verfahren nicht erfüllt würden. Im weiteren wurde auch berichtet, dass der zuständige Prüfausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses sich gegenwärtig ein Arbeitsprogramm vorgenommen habe, nach dem er zunächst selbst etwa 100 empirische Studien sorgfältig prüfen wolle, bevor die Beratung zum Antrag fortgesetzt werde. Dieses wird von den Vertretern der GT wiederum als Verzögerungstaktik interpretiert. Das in dieser Sache angesprochene Bundesgesundheitsministerium als Aufsichtsbehörde habe eine sorgfältige Beobachtung des Verfahrens zugesagt.  zu 3) Die Kooperation der PT-Verbände mit der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) vom Juni letzten Jahres (vgl. VVP 3/04, S. 658) wurde fortgesetzt. Zwei Mitglieder des Bundesvorstandes (Detlev Kommer und Peter Lehndorfer) sowie der zuständige Referent der Geschäftsstelle der BPtK (Hr. Krause) nahmen an der Sitzung teil und berichteten über die aktuellen Entwicklungen zur Gesundheitsberufekarte [GBK]. Zudem erfolgte in der Vergangenheit eine Zusammenarbeit bei Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben und politischen Initiativen (Föderalismuskommission, 2. Fallpauschalenänderungsgesetz) und zum Kommunalentlastungsgesetz ist die Zusammenarbeit vorgesehen. Für die Beteiligung der PT-Fachverbände an der AWMF hat der Präsident der BPtK, Kommer, die Unterstützung zugesagt. Ferner ist ein Newsletter der BPtK in Vorbereitung, der differenziert über die Aktivitäten der BPtK informieren soll. zu 4) Die Vorbereitung zur Expertentagung im Frühsommer über den Revisionsbedarf bei den PT-Richtlinien laufen auf Hochtouren, wie Armin Kuhr, der dies in Abstimmung mit Vertretern der verschiedenen Verbände vorbereitet, berichtete. Ausgangspunkt ist das von Heiner Vogel und ihm vorgelegte Diskussionspapier (vgl. Rosa Beilage 4/04, S. 5-7) - die (interne) Tagung soll insbesondere für die am GK II beteiligten Verbände (Vertreter) dazu beitragen, ihre Positionen zur notwendigen fachlichen Weiterentwicklung der PT-Rahmenvorgaben in der ambulanten Versorgung zu klären und mit Fachleuten der verschiedenen Richtungen zu diskutieren. Wichtig sei es, bei der Perspektiventwicklung das Wünschbare und das Machbare (Birgit Clever) im Blick zu behalten - gleichwohl sei es aber notwendig, auch die in den letzten 30 Jahren stattgefundenen Entwicklungen in Wissenschaft und Versorgungspraxis der Psychotherapie zu reflektieren und den "Rahmen" diesen Veränderungen anzupassen.  zu 5) Die Diskussion zu den neuen Studienabschlüssen in Deutschland wie auch in Europa insgesamt ["Bologna-Prozess"] hat bei den Psychotherapeuten gerade erst begonnen, auch wenn es höchste Eile scheint, sich darauf einzustellen, da es in wenigen Jahren kein Diplom als Studienabschluss mehr geben wird, sondern zwei separate Studienphasen (mit Bachelor- bzw. Master-Abschluss). Ein einfacher Vergleich mit dem Diplom (Vordiplom vs. Hauptdiplom) ist nicht mehr möglich, weil die Studienabschnitte jeweils in sich geschlossen und separat zu belegen sind und weil auch bereits mit dem Bachelor ein Berufszugang möglich sein soll. Thomas Fydrich (Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Humboldt-Universität Berlin und für die Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie [DGPs] als Teilnehmer an der Sitzung) berichtete von den aktuellen Entwicklungen (vgl. hierzu auch die Stellungnahmen bzw. Positionspapiere auf der Homepage der DGPs: www.dgps.de ). Kontrovers wurde sodann diskutiert, ob diese Neuordnung der Studiengänge die Chance gibt, dass zukünftig Studienanteile in der Psychotherapieausbildung berücksichtigt werden können. Insgesamt, wie erwähnt, eine recht konstruktiv verlaufene Sitzung, in der offen über unterschiedliche Positionen gesprochen wurde, auch lebhafte Diskurse erfolgten und zahlreiche gemeinsame Vorgehensweisen abgesprochen werden konnten. Turnusgemäß hat die DGVT als gastgebender Verband dieses Treffens im nächsten Vierteljahr die Geschäftsführung des GK II inne.