Veranstaltung "Horizons2020 - Nachhaltiges Wirtschaftswachstum durch eine effiziente Infrastruktur im Gesundheitswesen"
Das Thema lautete "Nachhaltiges Wirtschaftswachstum durch eine effiziente Infrastruktur im Gesundheitswesen". Etwa 200 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil, die von Herrn Stefan Borst (Korrespondent für den Focus in Brüssel) moderiert wurde.
Die Begrüßungsworte sprach Herr Dr. Ingo Friedrich, Vizepräsident des Europäischen Parlaments sowie Mitglied der Hanns-Seidel-Stiftung. Die Diskussion um Wirtschaftswachstum im Zusammenhang mit Gesundheitsdienstleistungen sei sehr wichtig, aber auch mutig. Sie werde auf europäischer und nationaler Ebene gleichermaßen geführt, erklärte Herr Dr. Friedrich.
Herr Borst wies im Anschluss auf die Brisanz des Themas hin und betonte, dass fast 10 % der deutschen Bevölkerung im Gesundheitssektor arbeiteten.
Anschließend hielt Herr Prof. Debatin (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) einen Vortrag über die Bedeutung des technologischen Fortschritts auf dem Markt der Gesundheitsdienstleistungen. Jener Markt wachse beständig, was auf den demografischen Wandel, aber auch auf den technologischen Fortschritt zurückzuführen sei. Trotz einer gewissen "Industrialisierung" der Gesundheitsdienstleistungen müsse jedoch der einzelne Mensch im Vordergrund der Behandlung stehen. Patienten seien heute besser informiert über ihre Krankheiten und die Behandlungsmethoden. Außerdem seien sie wesentlich mobiler. Das größte Hemmnis des technologischen Fortschritts im Bereich der Gesundheitsdienste sei in Deutschland die Bürokratie.
Herr Prof. Reinhardt (Siemens) betonte in seinem Vortrag, dass Europa in Zukunft ein großes Wachstum auf dem Markt der Gesundheitsdienstleitungen verzeichnen könne. Der Markt wachse, da weltweit die Bevölkerungszahl ansteige und die Menschen älter würden. Die Frage sei jedoch, wie man die Qualität von Gesundheitsdienstleitungen verbessern und gleichzeitig die Kosten verringern könne. Ziel sei es, mehr Effizienz zu schaffen. Das könne nur erreicht werden durch die Formulierung von Zielen und durch Innovationsförderung. Die Weiterentwicklung von Molekulartechnologien und IT sei der Schlüssel zum Erfolg. Aus diesem Grund müssten die Lissabonziele (mehr Investition in Forschung und Entwicklung) unbedingt umgesetzt werden.
Im Anschluss sprach Herr Alexander Radwan (Europaabgeordneter, EVP) über technische Innovationen im Bereich der Gesundheitsdienstleistungen. Die Europäer sollten die Freude an Innovationen wieder entdecken. Rolle der EU sei es, die Politik der Mitgliedstaaten zu vergleichen und gute Beispiele aufzuzeigen.
In der anschließenden Panel-Diskussion ergriff zunächst Herr Johan Hjertqvist (Think Tank "Health Consumer Powerhouse") das Wort. Ziel seines Think Tanks sei es, die Gesundheitssysteme aller 25 EU-Mitgliedstaaten zu vergleichen, und zwar aus Sicht der Verbraucher. In einer Studie, die bald veröffentlicht werde, zeige der Think Tank die teilweise großen Unterschiede in den Behandlungsmöglichkeiten auf. Herr Hjertqvist betonte, dass informierte Verbraucher mehr Druck auf die Politik ausüben müssten. Reformbedarf (etwa bei der Finanzierung von Gesundheitsdienstleistungen) bestünde überall.
Herr Gert-Jan Koopman (Europäische Kommission, GD Unternehmen und Industrie) zeigte die Politik der Kommission auf diesem Themengebiet auf. Das höchste Ziel der Kommission sei es, die Gesundheit der Bürger zu verbessern. Dennoch könne die Arbeit der Kommission die Gesundheitspolitik der Mitgliedstaaten lediglich ergänzen. Die Lissabon-Strategie habe die Diskussion um die Erhöhung des Budgets für Forschung und Entwicklung angekurbelt. In Staaten wie Spanien werde erheblich mehr in die Erforschung und Entwicklung effizienter Gesundheitsdienstleistungen investiert. Europaweit problematisch sei das Ausmaß der Bürokratie. Die Gründung der pharmazeutischen Plattform seitens der Kommission bewertete Herr Koopman als wichtigen Schritt. Schließlich müssten sich alle beteiligten Sektoren an der Diskussion um Gesundheitsdienste beteiligen. Herr Prof. Debatin sprach sich an dieser Stelle für mehr Wettbewerb auf dem Markt der Gesundheitsdienstleistungen aus. Mehr Wettbewerb verbessere die Qualität der Leistungen, da sich der Verbraucher frei entscheiden könne (etwa bei der Wahl eines Krankenhauses). Die Herbeiführung von mehr Wettbewerb sei allerdings Aufgabe der Politik. Bei der Diskussion um die Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen müsse jedoch klargestellt werden, dass finanzielle Einsparungen nicht zur Verbesserung der Dienstleitungen führen könnten.
Aus dem Publikum wurde die Frage geäußert, weshalb sich die Diskussion um die Liberalisierung des Gesundheitsmarktes drehe, obwohl in der Debatte um die Dienstleitungsrichtlinie die Gesundheitsdienste aus dem Anwendungsbereich der Richtlinie herausgenommen worden seien. Dazu erklärte Herr Koopman, dass die nationalen Gesundheitssysteme noch zu verschieden seien. Die Patienten seien zwar mobil und der Europäische Gerichthof habe sich in seiner Rechtsprechung mit dem Themengebiet auseinandergesetzt, doch für eine Harmonisierung der Systeme sei es noch zu früh. Herr Prof. Debatin sprach sich dafür aus, die Harmonisierung der Gesundheitssysteme als Ziel zu definieren.
Das Schlusswort übernahm Frau Böhm-Amtmann, Leiterin der Bayerischen Landesvertretung in Brüssel. Sie wies auf die gesellschaftliche Relevanz des Themenkomplexes hin und betonte, dass Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Gesundheitsdienste von großer Bedeutung für die EU seien.