Wer macht was? Zur Zusammenarbeit in den Gesundheitsberufen
(ab). „KBV kontrovers“ heißt eine Veranstaltungsreihe der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): Zweimal im Jahr werden gesundheitspolitische Themen diskutiert. Im April stand die „Zusammenarbeit in den Gesundheitsberufen“ zur Debatte: Abgeben oder Loslassen – so lautete die zentrale Frage.
Wenig überraschend waren die gegensätzlichen Sichtweisen von Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der KBV, und Andrea Lemke, Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerates, zum Thema „Delegation vs. Substitution“. Köhler verwies auf die klare rechtliche Regelung der Delegation von Leistungen im ambulanten Bereich und sieht hier keinen weiteren Handlungsbedarf. „Im ambulanten Bereich trägt eindeutig immer der Arzt die Verantwortung. Das Problem liegt eher in der fachlichen Qualifikation derjenigen, an die Ärzte Aufgaben delegieren können. Hier brauchen wir dringend klare Definitionen“, sagte er.
Andrea Lemke vertrat eine pragmatische Sicht. Wenn Aufgaben an jemanden übertragen würden, übernehme derjenige automatisch die Verantwortung und sei haftbar. Sie sprach die Versorgung in Pflegeeinrichtungen an und befürwortete die weitere Erprobung von Modellvorhaben zur Übertragung von ärztlichen Aufgaben. Hier brauche man mehr Ideen und eine schnellere Umsetzung: Vorhaben dürften nicht immer an der Finanzierung scheitern. Das sieht Köhler anders: Erst müsse die Finanzierung sichergestellt sein, bevor Modelle umgesetzt würden.
Über „Chancen und Grenzen der professionsübergreifenden Kooperation“ diskutierten Thomas Ballast, Vorstandsvorsitzender des vdek (Verband der Ersatzkassen), Sabine Jansen (Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft), Dr. Burkhard John (Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen-Anhalt), Sabine Ridder (Präsidentin des Verbands medizinischer Fachberufe) und Prof. Jonas Schreyögg (Universität Hamburg, Direktor des Hamburg Center for Health Economics).
Erstes Stichwort war der Ärztemangel. Prof. Schreyögg führte an, dass die Arztdichte in Deutschland im internationalen Vergleich immer noch relativ hoch sei. Das größere Problem liege in dem sich verändernden Krankheitsspektrum, das immer komplexer würde. John stimmte dem Problem der multimorbiden, älteren Patienten zu und wies darauf hin, dass man für die komplexen Behandlungen ein gutes Behandlungsteam brauche. Auch dadurch könne der Ärztemangel bekämpft werden, da der Arzt bei seinen Aufgaben entlastet würde.
Sabine Ridder betonte, dass es keinen größeren, dafür einen anderen Versorgungsbedarf geben werde und dass die Gesundheitsberufe sich wesentlich schneller auf Innovationen einlassen sollten. Die Patienten seien viel aufgeschlossener als oftmals angenommen. Sabine Jansen ergänzte, dass multiprofessionelle Teams eine große Chance seien. Man solle sich nicht nur auf die Ärzteschaft konzentrieren.
Des Weiteren ging es um die Frage, wer der „Koordinator“ sein solle, der Hausarzt, der Facharzt, das Krankenhaus oder auch Vertreter anderer Gesundheitsberufe. Burkard John sprach sich für den Hausarzt aus, weil er die Patienten am besten kenne. Andere sagten, es komme auf die Beschwerden an, die ein Patient habe, und auf die Versorgungssituation vor Ort. Prof. Schreyögg wies darauf hin, dass es keinerlei wissenschaftliche Belege dafür gebe, dass der Hausarzt diese Funktion am Besten erfülle. Man solle außerdem auch dem Patienten ein Mitspracherecht einräumen.
Quelle: www.kbv.de