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Antworten der Parteien

9. Wartezeiten in der psychotherapeutischen Versorgung

Wird Ihre Partei Maßnahmen ergreifen, um die bestehenden Wartezeiten in der psychotherapeutischen Versorgung zu verkürzen und das psychotherapeutische Angebot auszuweiten? Wenn ja, welche Maßnahmen werden das konkret sein? Setzt sich Ihre Partei für eine höhere Anzahl von Kassen-Sitzen für Psychotherapeut*innen ein?

Der DGVT-Berufsverband fragt nach Maßnahmen zur Verkürzung von Wartezeiten in der psychotherapeutischen Versorgung und nach der Einschätzung über die Anzahl von Kassensitzen. Zudem stellen wir Ihnen Kassenwatch vor, die Plattform des DGVT-Berufsverbands zur Unterstützung unserer Mitglieder, die in der Kostenerstattung tätig sind.

 

 

Seelische Gesundheit ist Fundament für Lebensqualität, soziale Teilhabe und körperliche Gesundheit, und mehr als nur Abwesenheit psychischer Krankheiten. Es ist nicht zumutbar, dass viele Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf therapeutische Hilfe warten müssen. Flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung mit ambulanten und stationären Therapie- sowie Hilfs- und Beratungsangeboten, zum Beispiel auch für Suizidprävention oder bei Abhängigkeiten, ist zentral. Wir GRÜNE wollen ambulante Psychotherapieplätze durch mehr Kassenzulassungen von Psychotherapeut*innen schaffen. Es braucht eine gemeindenahe und personenzentrierte Versorgung und eine verbesserte sektorübergreifende Zusammenarbeit. Hilfsangebote zwischen ambulanter und stationärer Behandlung müssen flexibler werden und die verschiedenen Berufsgruppen im Team eine miteinander abgestimmte Behandlung übernehmen können. Bei der unzureichenden Reform der Psychotherapie-Ausbildung muss nachgebessert werden.
Ja, wir GRÜNE streben eine deutlich höhere Anzahl an.

 

CDU und CSU wollen sich auch künftig dafür einsetzen, die bereits mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) eingeleitete Reduzierung der Wartezeit auf eine psychotherapeutische Behandlung weiter voranzutreiben. Um die Patientinnen und Patienten genau dort gut zu erreichen, wo der Bedarf hoch ist, wollen wir nach wie vor auf eine Bedarfsplanung setzen, die von flexiblen Instrumenten und sachgerechten Lösungen vor Ort geprägt ist. Dort wo es notwendig ist, sollte die Zahl der Sitze für niedergelassene Psychotherapeuten erhöht werden. Das gilt insbesondere für das psychotherapeutische Behandlungsangebot für Kinder und Jugendliche. Grundsätzlich lassen wir uns dabei auch davon leiten, allen Bürgerinnen und Bürgern einen wohnortnahen und möglichst barrierefreien oder digitalen Weg zur Psychotherapeutin bzw. zum Psychotherapeuten zu ermöglichen.

 

Ja. Insbesondere in der psychotherapeutischen Versorgung gewährleistet die heutige Bedarfsplanung keine flächendeckende Versorgung. Sie muss dringend überarbeitet und die Zahl der Kassensitze erhöht werden. Zugleich müssen die einzelnen Versorgungsbereiche für Menschen mit psychischen Problemen von ambulanten und stationären Angeboten des Gesundheitssystems aber auch Kriseninterventions- und sozialpsychiatrische Diensten, Jugendhilfe, Drogenhilfe, psychosoziale Beratung und anderen Bereichen miteinander verzahnt und aufeinander abgestimmt werden. Die Erfahrung zeigt, dass zur Versorgung von gesellschaftlich benachteiligten Menschen (zum Beispiel Langzeitarbeitslose, bestimmte migrantische Gruppen, Wohnungslose etc.) konkret zugeschnittene, meist aufsuchende Angebote notwendig sind. Das ist umso wichtiger, da sich psychische Erkrankung und schwierige Lebenssituation oft gegenseitig verstärken und ohne psychotherapeutische/psychosoziale Versorgung der Kreislauf oft nicht zu durchbrechen ist.
Ja. Mit den in der Antwort auf Frage 1 beschriebenen Forderungen wird die Zahl der Kassensitze für Psychotherapeut*innen erhöht und so die Erreichbarkeit für die Versicherten erhöht.

 

Wir Freie Demokraten wollen die Wartezeiten auf einen Therapieplatz reduzieren, den Ausbau von Therapieplätzen fördern, Prävention und Aufklärung stärken sowie die Ausbildung der psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten weiterentwickeln. Die Anzahl der Kassensitze für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wollen wir deutlich erhöhen.

 

Informationen und weiterführende Links:

  • Link zu Kassenwatch
  • Statement Dr. Felicitas Bergmann, Projektinitiatorin von Kassenwatch


Dr. Felicitas Bergmann

„Der DGVT-Berufsverband hat es sich zum Ziel gemacht, Mitglieder bei dem teils schwierigen Antragsprozedere in der sogenannten Kostenerstattung zu unterstützen – als Teil einer Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung angesichts langer Wartezeiten in vielen Regionen Deutschlands. Denn: Dort, wo es mehr Psychotherapeut*innen gibt, sind die Wartezeiten auch kürzer.

Die Krankenkassen erschweren dieses Kostenerstattungsverfahren teilweise sehr. Die Gesetzesgrundlage ist nicht eindeutig geregelt, was dazu führt, dass Kassen Spielräume ausnutzen, am Telefon behaupten, Kostenerstattung sei gar nicht möglich, Abläufe verzögern, sehr viele Unterlagen fordern oder erwarten, dass 20-30 Kassentherapeut*innen angerufen werden. Die Versicherten sind oft gar nicht darüber aufgeklärt, was von ihnen genau erwartet wird, oder sie können die Forderung der Kasse nicht erfüllen.

Mit der Plattform Kassenwatch.de möchte der DGVT-Berufsverband das Wissen aus der juristischen Beratung unserer Mitglieder anderen Psychotherapeut*innen zugänglich machen und zeigen, dass Kassen systematisch auf Kosten ihrer Versicherten sparen. Kassenwatch.de will sichtbar machen, welche Erfahrungen Patient*innen und auch die sie bei der Antragstellung unterstützenden Psychotherapeut*innen, machen. Patient*innen stehen häufig gar nicht die Möglichkeiten zur Verfügung, ihre Rechte gegenüber ihren Krankenkassen durchzusetzen. An dieser Stelle setzt Kassenwatch.de an.

Kassenwatch.de sammelt die Fälle, in denen die Kassen die Kostenerstattung für Psychotherapie verweigern oder massiv erschweren. Das Team meldet Probleme an Aufsichtsbehörden und Politik, damit auch diese den Kassen auf die Finger schauen.

Es gibt eigentlich genug approbierte Psychotherapeut*innen in Deutschland, aber immer noch zu wenige Kassenzulassungen in vielen Regionen.

2019 beauftragte das Bundesgesundheitsministerium den Gemeinsamen Bundesausschuss mit einem Gutachten, um den aktuellen Bedarf zu überprüfen. Das Gutachten bestätigte einen weiter gehenden Bedarf. Aber anstatt der im Gutachten geforderten 2400 gab es nur knapp 800 Neuzulassungen in ganz Deutschland.

Was dieser Mangel bedeutet, erleben viele KV-zugelassene Kolleg*innen tagtäglich. Viele Niedergelassene berichten, dass selbst außerhalb der telefonischen Sprechzeiten zahlreiche verzweifelte Menschen anrufen auf der Suche nach einem Behandlungsplatz. Seit der Pandemie ist die Nachfrage sogar noch gestiegen.

Das Kassenwatch-Team fordert deshalb die Schaffung von mehr Kassensitzen. Das wäre kurzfristig auch über die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) möglich, indem sie zum Beispiel eine zeitlich befristete Ermächtigung erteilen oder in besonders schlecht versorgten Gebieten Sonderbedarfszulassungen genehmigen. Die Folgen der Pandemie werden uns noch Jahre beschäftigen, da sollten die Lösungen nicht lange auf sich warten lassen. Die KVen könnten Inhaber*innen von Privatpraxen dazu auffordern, einen Antrag auf Sonderbedarfszulassung zu stellen. In Hessen ist das kürzlich geschehen und das würde sich das Kassenwatch-Team auch für andere Bundesländer wünschen.“